Dienstag, 23. September 2008
Allerhoechste Eisenbahn
Nach drei Tagen war unsere Tibet-Tour damit auch schon zuende. Nur die Bahnfahrt auf der hoechsten Strecke der Welt, die hatten wir uns noch aufgehoben. Abfahrt frueh morgens aus dem niegelnagelneuen Bahnhof von Lhasa und dann 36h lang mehr oder weniger abwaerts gen Xian. Der hoechste Punkt ist wiederum auf ueber 5000m, was uns diesmal aber nicht so zu schaffen gemacht hat: In der Fahrgastkabine wird Sauerstoff zugesetzt. :-) Die Durchsagen sind auch auf englisch, an den Haltestellen darf man kurz aussteigen, also eine richtig luxurioese Fahrt. Aus dem Fenster sieht man die typischen weiten Ebenen und schneebedeckten Berge, in denen wir die letzten drei Tage schon verbracht haben. Ab und an steht ein salutierender Soldat irgendwo in der Pampa neben seinem Zelt mit chinesicher Flagge. Warum der da steht? Keine Ahnung. Ausserdem haben wir gemerkt, dass es immer waermer wurde. Lhasa war noch schoen kuehl, aber hier sieht man auch wieder die ersten Menschen mit nacktem Oberkoerper auf irgendwelchen Baustellen arbeiten. Nicht so mein Ding,diese Hitze. Aber hilft nix, wir muessen zurueck gen Sueden.
tibetische Spontanitaet
Der Morgen danach... war schrecklich. Eigentlich waren wir uns um 8.30 mit Tashi zum Fruehstuecken verabredet, aber darauf hatten wir beide keine gesteigerte Lust. Jede Minute Bett war kostbar. Da das Wetter gut war und wir ueber den Pass konnten haben wir uns trotzem aufgerafft. Um 9.30 gings los. Leider wohl 1 Minute zu spaet, nach ca. 1,5h Fahrt wurde vor uns gerade die Strasse gesperrt. Wir waren das verdammte erste Auto! Die Polizei hat mal spontan fuer 4h die Strasse gesperrt, um den Strassenbelag zu erneuern. Das war zweifelsfrei noetig, aber man haette doch z.B. gestern hier ein Schild aufstellen koennen, oder?!? Es blieb uns nix anderen uebrig, als 4h in dem Kaff rumzuhaengen und einen punkt nach dem anderen von unserem Reiseplan zu streichen. So fiel der Besuch des Klosters Sera weg, weil wir ja nun erst so spaet wieder in Lhasa waren. Ueber die Zeit strandeten immer mehr Leute in dem Kaff, so dass es am Schluss voll war mit Landrovern, Lastwagen, Bussen und Motorraedern. Auch ein hollaendisches Paerchen war da, die auch die Nacht am See verbracht hatten. Die haben sich immer nur beschwert, da waere nix zu tun. Hatten sie am See auch schon gesagt. Keine Ahnung, was sie da erwartet hatten, vielleicht ein Kino oder so? Der Stopp in dem Kaff hatte allerdings schon mal die gute Seite, dass wir schon wieder ein wenig tiefer als die 4700m waren, un unsere Koepfe sich langsam entspannten.
Gegen 4 sind wir dann endlich in Lhasa angekommen. Auf dem Programm stand noch der Besuch des Sommerpalastes des DL, der Norbulinka. Das ist ein grosser Garten mit verschiedenen Tempeln fuer 4 der ganzen DL. Viele Baeume, Blumen und darin verstreute Haeuschen. Der aktuelle DL hat leider nur 2 Sommer hier verbringen koennen, bevor ihn die Chinesen verjagt haben. Dafuer koennen wir Touris alles jetzt ganz genau anschauen, wieder mal bis aufs Klo. Die Tour durch das Haus umfasst auch einen Gang durch die gekachelten Gemaecher des Lebenden, inkl. reich mit geopferten Geldscheinen dekorierter Kloschuessel. Tztztz.
Ansonsten ist der Sommerpalast wirklich viel angenehmer als der Potala. Und wieder diese Widerspueche: Tausende von Blumen, in allen Farben, leuchten in die Sonne, darueber an den Tempel gepinnt ein Din A4-Blatt, auf dem steht: Nicht anfassen, alles ist gespritzt bis zum Abwinken.
In "7 Jahre in Tibet" beschreibt H.Harrer, wie er hier das erste Kino fuer Filmvorfuehrungen fuer den DL baut. Leider werden wir da nicht durhgefuehrt.
Waehrend wir in Tibet waren haben wir immer mal zu dem Verhaeltnis von Chinesen und Tibetern gefragt. Tashi und andere haben dann immer geantwortet "I don't want to talk about this." oder "I will get in trouble." Eigentlich war ich gar nicht so ein "Free Tibet"-Vertreter, aber wenn man auf solche Reaktionen stoesst, dann muss an der Unterdrueckung ja wirklich was dran sein. Diejenigen, die uns etwas erzaehlt haben, haben z.B. gesagt, dass die Unruhen von der Polizei provoziert wurden. Die chinesische Polizei hat nach dieser Sicht die Kloster zugemacht und die Moenche nicht zu einer wichtigen Prozession gehen lassen. Daraufhin erst sind die Tibeter auf die Strasse gegangen. Und waehrend die olympische Flagger hier durchging, gab es eine Ausgangssperre, keiner durfte aus dem Haus. Nur ein paar Handverlesene durften sich jubelnd an die Strecke stellen. Die Tibeter werden offensichtlich doch ganz schoen unterdrueckt hier, und das obwohl der DL ja nichtmal die Autonomie fordert. Warum haben die Chinesen das noetig? Keiner weiss es...
Abends sind wir ziemlich kaputt in unser Hotelbett gefallen. So ganz weg war die Hoehenkrankheit noch nicht.
Gegen 4 sind wir dann endlich in Lhasa angekommen. Auf dem Programm stand noch der Besuch des Sommerpalastes des DL, der Norbulinka. Das ist ein grosser Garten mit verschiedenen Tempeln fuer 4 der ganzen DL. Viele Baeume, Blumen und darin verstreute Haeuschen. Der aktuelle DL hat leider nur 2 Sommer hier verbringen koennen, bevor ihn die Chinesen verjagt haben. Dafuer koennen wir Touris alles jetzt ganz genau anschauen, wieder mal bis aufs Klo. Die Tour durch das Haus umfasst auch einen Gang durch die gekachelten Gemaecher des Lebenden, inkl. reich mit geopferten Geldscheinen dekorierter Kloschuessel. Tztztz.
Ansonsten ist der Sommerpalast wirklich viel angenehmer als der Potala. Und wieder diese Widerspueche: Tausende von Blumen, in allen Farben, leuchten in die Sonne, darueber an den Tempel gepinnt ein Din A4-Blatt, auf dem steht: Nicht anfassen, alles ist gespritzt bis zum Abwinken.
In "7 Jahre in Tibet" beschreibt H.Harrer, wie er hier das erste Kino fuer Filmvorfuehrungen fuer den DL baut. Leider werden wir da nicht durhgefuehrt.
Waehrend wir in Tibet waren haben wir immer mal zu dem Verhaeltnis von Chinesen und Tibetern gefragt. Tashi und andere haben dann immer geantwortet "I don't want to talk about this." oder "I will get in trouble." Eigentlich war ich gar nicht so ein "Free Tibet"-Vertreter, aber wenn man auf solche Reaktionen stoesst, dann muss an der Unterdrueckung ja wirklich was dran sein. Diejenigen, die uns etwas erzaehlt haben, haben z.B. gesagt, dass die Unruhen von der Polizei provoziert wurden. Die chinesische Polizei hat nach dieser Sicht die Kloster zugemacht und die Moenche nicht zu einer wichtigen Prozession gehen lassen. Daraufhin erst sind die Tibeter auf die Strasse gegangen. Und waehrend die olympische Flagger hier durchging, gab es eine Ausgangssperre, keiner durfte aus dem Haus. Nur ein paar Handverlesene durften sich jubelnd an die Strecke stellen. Die Tibeter werden offensichtlich doch ganz schoen unterdrueckt hier, und das obwohl der DL ja nichtmal die Autonomie fordert. Warum haben die Chinesen das noetig? Keiner weiss es...
Abends sind wir ziemlich kaputt in unser Hotelbett gefallen. So ganz weg war die Hoehenkrankheit noch nicht.
Wir machen den Ikarus...
... und wollen immer hoeher hinaus. Das kann ja nicht gutgehen. Aber der Tag fing noch gut an. Nach einer ganz guten Nacht haben wir uns morgens mit Tashi getroffen um den Potala zu besichtigen. Das Wetter war etwas schlechter als gestern, so dass wir ein wenig unter Zeitdruck standen. Um zu unserem naechsten Ziel zu gelangen, dem Namtso-See, mussten wir ueber einen Pass auf 5200m Hoehe, und der ist vorzugsweise nachmittags passierbar. D.h. Touri-Pflichten in Lhasa vergleichsweise schnell erledigen, damit der Pass noch passierbar ist, wenn wir dort ankommen.
Der Potala ist ein riesiger Palast, in dem einige Tempel, eine Moenchsschule, die Regierung und die Privatraeume des Dalai Lama untergebracht waren. Heute kann man nahezu alles besichtigen. Er ist sehr exponiert auf einem Huegel inmitten der Stadt Lhasa und ueberblickt die ganze Stadt. Ueber einige Treppen geht erreicht man das unterste der 13 Stockwerke. Ca. 2 Stunden sind wir dann durch ein Labyrinth kleiner Gaenge, Treppen und dunkler Raeume gegangen. Zuerst ging es durch reich verzierte Raeume, in denen der Dalai Lama winters seine Gaeste empfangen hat, von seinen Lehrern erzogen wurde oder sich zum Beten zurueckgezogen hat. Die Raeume sind an sich nichts spektakulaeres, bis auf die Tatsache, dass sie reich verziert sind: geschnitzte und bunt verzierte Tuerrahmen, Seidene Teppiche an den Waenden, wenige Moebel und wenn dann nur eine Liege oder ein Thron. Und dabei ist alles ziemlich dunkel mit nur kleinen Fenstern. Da der DL im Winter eigentlich nie aus seinem Palast rauskommt kann man schon glauben, dass das ziemlich muffig ist und wenig Spass macht, dort zu wohnen. Gleich nebenan beginnt ein wahrer Marathon von Tempeln. Im mittleren roten Teil des Palastes sind die Tempelraeume und die Graeber aller DL zwischen dem 5. und dem 13. . Mit Ausnahme des 6., der wohl etwas umtriebig war.
Man sagt, er waer gern in der Stadt unterwegs gewesen auf der Suche nach Wein und Weib... Eigentlich ist beides streng verboten fuer einen Moench. Irgendwann ist er dann verschollen und so genau weiss keiner wo er gestorben ist. Angeblich gibt es ein Grab irgendwoanders in Tibet. Die Tempel sind nicht wie man es sich vorstellt grosse Hallen, sondern oft ebenfalls dunkle, kleine verwinkelte Raeume, vollgestopft mit Schriftrollen und goldenen Buddhafiguren. Dazu ueberall Badewannen voller Wachs mit brennenden Doechten (Was ist die Mehrzahl von Docht?) darin und Raeucherstaebchen in jeder Ecke. Nach der ganzen Kletterei schnuert uns der Duft fast die Kehle zu. Jeder DL hat seinen eigenen Tempel, in dem er sich aufgehalten hat und meistens noch ein Zimmer, in dem sein Sarg steht. Die Saerge sind riesige Kisten, bis zu 5x5m aus purem Gold. Je groesser der Sarg, desto wichtiger der DL. Obwohl, sind ja eh alles Wiedergeburten, also eigentlich liegt in jeder Kiste der Selbe. Um die Saerge herum -wer haette es gedacht- Buddhafiguren en masse. Fuer jedes Aua und jeden Wunsch gibt es einen eigenen Buddha, wichtig sind insbesondere der fuer langes Leben und der fuer das Mitgefuehl. Bunte Fratzen an den Waenden und manchmal auch in Figurenform stellen die Protektoren dar, die vor dem Boesen schuetzen sollen. Wieder beten mitten im Getummel ueberall Moenche und die Glaeubigen pappen Geld an alles, was nicht bei drei auf den Baeumen ist. Das geben von Geld ist offensichtlich sehr wichtig fuer den Glauben und die Raeume liegen buchstaeblich voll mit Scheinen.
Immer mehr fallen uns bei den Tibetern -aus unserer Sicht- grosse Widersprueche auf: Zwischen allem goldenen Verzierungen, Schnitzereien, Gemaelden liegen Tetrapaks voller Milch als Opfergaben. Der Buddhistische Moench muss sich insbesondere verschiedene Pflichten halten: Nicht toeten (nicht mal eine Muecke), nicht Stehlen, nicht luegen, keine Heirat und auch kein Alkohol. Das haelt nicht davon ab, ordentlich Reiswein zu opfern (sprich: Flaschen auf den Altar zu stellen) Das ueberall herumgestreute Geld ist insofern eigenartig, weil ja ueberall Mao drauf abgebildet ist, und das ist fuer die Tibeter ja nun der grosse Unterdruecker schlechthin. Die ins Gebet vertieften Moenche darf man gern unterbrechen um seine dummen Touristenfragen loszuwerden. Sie freuen sich sogar. Das sind so ein paar Kleinigkeiten, ueber die wir stolpern. Ebenso auffaellig ist, dass alle an uns interessiert sind und laecheln, lachen, Fragen stellen.
Nach der Besichtigung machen wir noch ein paar Fotos, unter anderem von einem echten Plumsklo an der Aussenmauer des Potala. So muessen sich auch die Ritter auf den mittelalterlichen Burgen frueher Gefuehlt haben...
So, und dann geht es mit dem Auto in Richtung Namtso. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und die Wolkendecke reisst nur langsam auf, dabei fahren wir durch ein breites Tal immer weiter in die Berge. Der Fahrer muss auf drei Dinge aufpassen: 30cm tiefe Schlagloecher, Selbstmoerderische Ueberholer und Tiere, insbesondere Yak- und Schafherden. Am Strassenrand sind mehr und mehr Nomadenzelte, immer mit einem Motorrad davor, das das traditionelle Pferd weitgehend abgeloest hat. Wenigstens ist das Motorrad mit einem netten Teppich mit religioesen Motiven verziert, da ist der touristischen Romantik genuege getan. Neben der Strasse sind immer wieder bunte Gebetsfahnen an Bruecken, Steinen und Haeusern befestigt. Tausende blauer (Himmel), weisser (Wolken), roter (Feuer), gruener (Wasser) und gelber (Erde) Fahnen wehen im Wind oder liegen in Pfuetzen. Auf jeder Fahne stehen Gebete, die durch den Wind zu Gott getragen werden sollen.
Ich muss mal kurz was loswerden. Katha, neben mir, guckt grad "Verbotene Liebe" im Internet. Seufz.
Ok, zurueck nach Tibet. Wir sehen die Fuesse der Berge um uns herum, immer wenn die Wolkendecke etwas aufbricht, machen wir Fotostopps. Und auch jetzt merken wir die Hoehe noch nicht so richtig, obwohl wir wie gesagt auf 5200m hochfahren, unser Ziel der See liegt auf 4700m. Das Wetter wird zum Glueck nicht schlechter, so dass wir ohne Probleme ueber den Pass kommen. Noch 60km ueber eine Hochebene, dann sind wir am See. Zwischen zwei kleinen Huegeln, die mit Gebetsfahnen ueberzogen sind, befinden sich ca.40 Container und Zelte, alle um einen Fussballplatz-grossen Schotterplatz herum. Als erstes Fallen die komischen Beschriftungen an den Containern auf, es gibt eine "shopping mall", knappe 3m im Quadrat gross. Ein "Clean Restaurant" mitten im Dreck. Und wer will kann "Oxygen Yoghurt" kaufen. Als naechstes irritieren die Billiardtische ueberall. Dunkle Vollholztische, deren Beine schoen geschnitzt und verziert sind. Ich ueberlege schon, wie soeiner seinen Weg nach Deutschland finden koennte... Als wir spaeter spontan helfen, einen Tisch quer ueber den Platz in sein Winterlager zu schleppen, nehmen wir wieder Abstand von der Idee. Verdammt schwer. Der See liegt platt wie eine Funder auf zwei Seiten des Dorfes, blaugruen schimmernd. Tashi erklaert, dass alle Restaurants, Geschaefte und Uebernachtungsmoeglichkeiten von Nomaden betrieben werden, die im Winter in etwas waermere Gefilde ziehen. Wir spazieren herum und ueberlegen, ob wir die Nacht hier verbringen. Trotz des Risikos, morgen evtl. nicht ueber den Pass rauszukommen, entscheiden wir uns, zu bleiben. Tashi guckt etwas verduzt, aber wir sind ja die Chefs. Er waer wohl lieber wieder in eine Stadt am anderen Ende des Passes gefahren.
Unser Hotelzimmer ist ein halber Container, ohne Fenster nach draussen,geschweige denn Dusche oder Klo. Das ist am anderen Ende des Dorfes, in gut 5 Min zu erreichen. (Die hier sehr beliebte Marke PLUMPS), Dusche gibt es unseres Wissens gar nicht. Strom gibt es zwischen 8 und 11 Uhr abends, gerade genug, um die Kamera aufzuladen.
Zum Abendbrot gibt es Tsampa, eine Mischung aus Butter, Zucker, Tee und irgendeinem Mehl, schmeckt so aehnlich wie Kuchenteig. So langsam macht sich auch ein leichter Druck auf die Hirnrinde bemerkbar. Wir sind halt doch etwas schnell hier hochgeduest... Auf dem Rueckweg vom Klo werde ich von einigen Nomaden in ihr Zelt gewinkt. Erst zoegere ich, aber wann wird man schon mal von Nomaden eingeladen?!? Ich mache es mir erst allein bequem und komme kurz danach mit Nicole und Taschi wieder dorthin. Das runde Zelt ist Schwarz und aus Yakhaar, in der Mitte ist eine Feuerstelle. Ausser den Eltern sitzen im Zelt drei rotzueberlaufene, froehliche Kinder zwischen 0 und 4 und eine Nachbarsoma samt Enkel. Als wir uns setzen kommen noch eine Menge anderer Leute und schauen neugierig durch den Zelteingang. Sofort muessen wir den beruehmten Yakbuttertee trinken, aus Freundlichkeit tun wir das natuerlich auch. Sooooo schlecht ist er gar nicht, haben wir wohl ein frisches Stueck Butter erwischt. Mit Tashis Uebersetzung koennen wir und fast unterhalten, wir trinken ein paar Tassen Tee und uebergeben unsere Geschenke. Da die offensichtlich bettelarm waren, haben wir ihnen eine Jacke und Schuhe fuer die Kinder mitgebracht. Ausserdem etwas Bares... Geheizt wird uebrigens mit getrockneter Yakscheisse. Weiss grad kein politisch korrekteres Wort dafuer. Besonders werden wir von den Kindern bewundert, der tiefe Einschnitt zwischen Stirn und Nase und die Haare an Arm und Beinen muessen bewundert und angefasst werden. Wir sind sehr gastfreundlich behandelt worden und es macht einen traurig, zu sehen, wie arm diese Leute sind. Fuer uns eine nette Erfahrung, hoffen wir, dass unsere Geschenke ihnen etwas Linderung ermoeglichen.
Obs der Yakbuttertee war oder die Hoehe... die folgende Nacht war schrecklich. Kopf und Magen spielten verrueckt und wir haben beide kein Auge zugetan.
Der Potala ist ein riesiger Palast, in dem einige Tempel, eine Moenchsschule, die Regierung und die Privatraeume des Dalai Lama untergebracht waren. Heute kann man nahezu alles besichtigen. Er ist sehr exponiert auf einem Huegel inmitten der Stadt Lhasa und ueberblickt die ganze Stadt. Ueber einige Treppen geht erreicht man das unterste der 13 Stockwerke. Ca. 2 Stunden sind wir dann durch ein Labyrinth kleiner Gaenge, Treppen und dunkler Raeume gegangen. Zuerst ging es durch reich verzierte Raeume, in denen der Dalai Lama winters seine Gaeste empfangen hat, von seinen Lehrern erzogen wurde oder sich zum Beten zurueckgezogen hat. Die Raeume sind an sich nichts spektakulaeres, bis auf die Tatsache, dass sie reich verziert sind: geschnitzte und bunt verzierte Tuerrahmen, Seidene Teppiche an den Waenden, wenige Moebel und wenn dann nur eine Liege oder ein Thron. Und dabei ist alles ziemlich dunkel mit nur kleinen Fenstern. Da der DL im Winter eigentlich nie aus seinem Palast rauskommt kann man schon glauben, dass das ziemlich muffig ist und wenig Spass macht, dort zu wohnen. Gleich nebenan beginnt ein wahrer Marathon von Tempeln. Im mittleren roten Teil des Palastes sind die Tempelraeume und die Graeber aller DL zwischen dem 5. und dem 13. . Mit Ausnahme des 6., der wohl etwas umtriebig war.
Man sagt, er waer gern in der Stadt unterwegs gewesen auf der Suche nach Wein und Weib... Eigentlich ist beides streng verboten fuer einen Moench. Irgendwann ist er dann verschollen und so genau weiss keiner wo er gestorben ist. Angeblich gibt es ein Grab irgendwoanders in Tibet. Die Tempel sind nicht wie man es sich vorstellt grosse Hallen, sondern oft ebenfalls dunkle, kleine verwinkelte Raeume, vollgestopft mit Schriftrollen und goldenen Buddhafiguren. Dazu ueberall Badewannen voller Wachs mit brennenden Doechten (Was ist die Mehrzahl von Docht?) darin und Raeucherstaebchen in jeder Ecke. Nach der ganzen Kletterei schnuert uns der Duft fast die Kehle zu. Jeder DL hat seinen eigenen Tempel, in dem er sich aufgehalten hat und meistens noch ein Zimmer, in dem sein Sarg steht. Die Saerge sind riesige Kisten, bis zu 5x5m aus purem Gold. Je groesser der Sarg, desto wichtiger der DL. Obwohl, sind ja eh alles Wiedergeburten, also eigentlich liegt in jeder Kiste der Selbe. Um die Saerge herum -wer haette es gedacht- Buddhafiguren en masse. Fuer jedes Aua und jeden Wunsch gibt es einen eigenen Buddha, wichtig sind insbesondere der fuer langes Leben und der fuer das Mitgefuehl. Bunte Fratzen an den Waenden und manchmal auch in Figurenform stellen die Protektoren dar, die vor dem Boesen schuetzen sollen. Wieder beten mitten im Getummel ueberall Moenche und die Glaeubigen pappen Geld an alles, was nicht bei drei auf den Baeumen ist. Das geben von Geld ist offensichtlich sehr wichtig fuer den Glauben und die Raeume liegen buchstaeblich voll mit Scheinen.
Immer mehr fallen uns bei den Tibetern -aus unserer Sicht- grosse Widersprueche auf: Zwischen allem goldenen Verzierungen, Schnitzereien, Gemaelden liegen Tetrapaks voller Milch als Opfergaben. Der Buddhistische Moench muss sich insbesondere verschiedene Pflichten halten: Nicht toeten (nicht mal eine Muecke), nicht Stehlen, nicht luegen, keine Heirat und auch kein Alkohol. Das haelt nicht davon ab, ordentlich Reiswein zu opfern (sprich: Flaschen auf den Altar zu stellen) Das ueberall herumgestreute Geld ist insofern eigenartig, weil ja ueberall Mao drauf abgebildet ist, und das ist fuer die Tibeter ja nun der grosse Unterdruecker schlechthin. Die ins Gebet vertieften Moenche darf man gern unterbrechen um seine dummen Touristenfragen loszuwerden. Sie freuen sich sogar. Das sind so ein paar Kleinigkeiten, ueber die wir stolpern. Ebenso auffaellig ist, dass alle an uns interessiert sind und laecheln, lachen, Fragen stellen.
Nach der Besichtigung machen wir noch ein paar Fotos, unter anderem von einem echten Plumsklo an der Aussenmauer des Potala. So muessen sich auch die Ritter auf den mittelalterlichen Burgen frueher Gefuehlt haben...
So, und dann geht es mit dem Auto in Richtung Namtso. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und die Wolkendecke reisst nur langsam auf, dabei fahren wir durch ein breites Tal immer weiter in die Berge. Der Fahrer muss auf drei Dinge aufpassen: 30cm tiefe Schlagloecher, Selbstmoerderische Ueberholer und Tiere, insbesondere Yak- und Schafherden. Am Strassenrand sind mehr und mehr Nomadenzelte, immer mit einem Motorrad davor, das das traditionelle Pferd weitgehend abgeloest hat. Wenigstens ist das Motorrad mit einem netten Teppich mit religioesen Motiven verziert, da ist der touristischen Romantik genuege getan. Neben der Strasse sind immer wieder bunte Gebetsfahnen an Bruecken, Steinen und Haeusern befestigt. Tausende blauer (Himmel), weisser (Wolken), roter (Feuer), gruener (Wasser) und gelber (Erde) Fahnen wehen im Wind oder liegen in Pfuetzen. Auf jeder Fahne stehen Gebete, die durch den Wind zu Gott getragen werden sollen.
Ich muss mal kurz was loswerden. Katha, neben mir, guckt grad "Verbotene Liebe" im Internet. Seufz.
Ok, zurueck nach Tibet. Wir sehen die Fuesse der Berge um uns herum, immer wenn die Wolkendecke etwas aufbricht, machen wir Fotostopps. Und auch jetzt merken wir die Hoehe noch nicht so richtig, obwohl wir wie gesagt auf 5200m hochfahren, unser Ziel der See liegt auf 4700m. Das Wetter wird zum Glueck nicht schlechter, so dass wir ohne Probleme ueber den Pass kommen. Noch 60km ueber eine Hochebene, dann sind wir am See. Zwischen zwei kleinen Huegeln, die mit Gebetsfahnen ueberzogen sind, befinden sich ca.40 Container und Zelte, alle um einen Fussballplatz-grossen Schotterplatz herum. Als erstes Fallen die komischen Beschriftungen an den Containern auf, es gibt eine "shopping mall", knappe 3m im Quadrat gross. Ein "Clean Restaurant" mitten im Dreck. Und wer will kann "Oxygen Yoghurt" kaufen. Als naechstes irritieren die Billiardtische ueberall. Dunkle Vollholztische, deren Beine schoen geschnitzt und verziert sind. Ich ueberlege schon, wie soeiner seinen Weg nach Deutschland finden koennte... Als wir spaeter spontan helfen, einen Tisch quer ueber den Platz in sein Winterlager zu schleppen, nehmen wir wieder Abstand von der Idee. Verdammt schwer. Der See liegt platt wie eine Funder auf zwei Seiten des Dorfes, blaugruen schimmernd. Tashi erklaert, dass alle Restaurants, Geschaefte und Uebernachtungsmoeglichkeiten von Nomaden betrieben werden, die im Winter in etwas waermere Gefilde ziehen. Wir spazieren herum und ueberlegen, ob wir die Nacht hier verbringen. Trotz des Risikos, morgen evtl. nicht ueber den Pass rauszukommen, entscheiden wir uns, zu bleiben. Tashi guckt etwas verduzt, aber wir sind ja die Chefs. Er waer wohl lieber wieder in eine Stadt am anderen Ende des Passes gefahren.
Unser Hotelzimmer ist ein halber Container, ohne Fenster nach draussen,geschweige denn Dusche oder Klo. Das ist am anderen Ende des Dorfes, in gut 5 Min zu erreichen. (Die hier sehr beliebte Marke PLUMPS), Dusche gibt es unseres Wissens gar nicht. Strom gibt es zwischen 8 und 11 Uhr abends, gerade genug, um die Kamera aufzuladen.
Zum Abendbrot gibt es Tsampa, eine Mischung aus Butter, Zucker, Tee und irgendeinem Mehl, schmeckt so aehnlich wie Kuchenteig. So langsam macht sich auch ein leichter Druck auf die Hirnrinde bemerkbar. Wir sind halt doch etwas schnell hier hochgeduest... Auf dem Rueckweg vom Klo werde ich von einigen Nomaden in ihr Zelt gewinkt. Erst zoegere ich, aber wann wird man schon mal von Nomaden eingeladen?!? Ich mache es mir erst allein bequem und komme kurz danach mit Nicole und Taschi wieder dorthin. Das runde Zelt ist Schwarz und aus Yakhaar, in der Mitte ist eine Feuerstelle. Ausser den Eltern sitzen im Zelt drei rotzueberlaufene, froehliche Kinder zwischen 0 und 4 und eine Nachbarsoma samt Enkel. Als wir uns setzen kommen noch eine Menge anderer Leute und schauen neugierig durch den Zelteingang. Sofort muessen wir den beruehmten Yakbuttertee trinken, aus Freundlichkeit tun wir das natuerlich auch. Sooooo schlecht ist er gar nicht, haben wir wohl ein frisches Stueck Butter erwischt. Mit Tashis Uebersetzung koennen wir und fast unterhalten, wir trinken ein paar Tassen Tee und uebergeben unsere Geschenke. Da die offensichtlich bettelarm waren, haben wir ihnen eine Jacke und Schuhe fuer die Kinder mitgebracht. Ausserdem etwas Bares... Geheizt wird uebrigens mit getrockneter Yakscheisse. Weiss grad kein politisch korrekteres Wort dafuer. Besonders werden wir von den Kindern bewundert, der tiefe Einschnitt zwischen Stirn und Nase und die Haare an Arm und Beinen muessen bewundert und angefasst werden. Wir sind sehr gastfreundlich behandelt worden und es macht einen traurig, zu sehen, wie arm diese Leute sind. Fuer uns eine nette Erfahrung, hoffen wir, dass unsere Geschenke ihnen etwas Linderung ermoeglichen.
Obs der Yakbuttertee war oder die Hoehe... die folgende Nacht war schrecklich. Kopf und Magen spielten verrueckt und wir haben beide kein Auge zugetan.
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| namtso |
Montag, 22. September 2008
N+J: Auf dem Dach der Welt
Immer wieder haben wir diese Woche dran rumgebastelt und mussten kurzfristige Hürden der chinesischen Behörden (und unseres Reiseveranstalters...) ueberwinden, aber es hat geklappt! Wir sind in Lhasa, der Hauptstadt Tibets! Bei Dalai Lama, Lassi und Himalaya.
Morgens ging es mit dem Flieger nach Lhasa, die bekannte Bahn haben wir uns für die Rueckfahrt aufgehoben. Nach einem voellig sinnlosen Zwischenstopp in Chongqing (es ging nur aus dem Flugzeug in einen Aufenthaltsraum, 2 min spaeter auf der anderen Seite wieder raus und wieder in den Flieger) sind wir mittags am Flughafen Lhasa angekommen. Wegen der "Spontanität" unseres Reiseveranstalters waren wir nicht im Bilde ueber unser genaues Programm und sahen erst durch das Fenster eines oeffentlichen Busses den Reiseführer mit seinem Schild "Dickebohm Deiseroth". Ups. Also schnell wieder raus. Unser tibetischer Führer heisst Tashi und spricht hinreichend englisch, um ca. 80% zu verstehen. Ausserdem begleitet uns noch ein chinesischer Fahrer, wer hier wen beaufsichtigt wird während unserer ganzen Zeit nicht so ganz klar. Aber zu den politischen Verwirrungen koennen wir ja spaeter nochmal kommen. Am Flughafen bemerken wir erstmal nur, dass die Luft dermassen klar ist, dass man kilometerweit gucken kann und der Himmel sprichwoertlich blau mit weißen fluffigen Wolken. Genau wie der Seidenschal aus PVC, den uns Tashi nach tibetischer Sitte als Willkommensgruss um den Hals legt. Dann geht es gleich in den Landrover und wir legen ab gen Lhasa, das nochmal 50 km vom Flughafen entfernt ist. Auf der Fahrt wundern wir uns ueber die warme Sonne, weil wir uns eigentlich schon auf kaeltere Temperaturen eingestellt hatten. Es sollte sich allerdings zeigen, dass es nachts dann doch deutlich kaelter wurde, bis an die 0 Grad. Zuerst ging es in ein Hotel, 3 Sterne, so edel haben wir auf der ganzen Reise noch nicht genaechtigt, Nicoles Luxus-Wohnung mal ausgenommen. Ohne Rucksack haben wir uns erstmal selbst angeguckt und auf Zeichen der Höhenkrankheit gewartet. Lhasa liegt auf 3700m und es ist nicht unwahrscheinlich Kopfschmerzen von geringen Sauerstoffgehalt in der Luft zu bekommen. Bis auf die Tatsache, dass man nach wenigen Stufen ziemlich ko ist und ab und zu mal bewusst tief Luft holen muss, weil man so ein Gefuehl hat, man haette gerade kurz das Atmen vergessen war aber erstmal nix.
Dann ging unser Programm gleich los. Ab zum Jokhang-Temple, dem heiligsten Ort der tibetischen Buddhisten. Das erste was man von diesem Tempel sieht, ist das goldene Dach. Was einen dann in seinen Bann zieht sind die Menschen, die betend um den Haeuserblock ziehen, in dem der Tempel steht. Den Tempel immer rechterhand lassend, laufend uns hunderte Menschen entgegen. Die meisten haben traditionelle tibetische Kleidung an, also schwarze Gewänder aus Yakfellen, die mit allerlei bunten Mustern aus Seide verziert sind. Ausserdem haben sie Gebetsmuehlen und eine Art
Rosenkranz in der Hand und murmeln Gebete. Wir gehen gleich in den Tempel, weil er bald zumacht. Drinnen gibt es einen Innenhof und wir koennen sowohl in den Hauptraum als auch auf das
Dach. Der Hauptsaal, in dem das fotografieren verboten ist, ist quadratisch und es gehen an allen Seiten Türen ab. Es ist ziemlich dunkel, riecht stark nach Räucherstaebchen und alle Wände sind voll mit den verschiedensten Goldenen Buddha-, Dalai Lama- und Koenigsfiguren. In der Mitte des Raumes stehen einige besonders große Figuren der wichtigsten Gottheiten. Davor sind knapp 50 Gebetsplaetze, die sich waehrend unseres Aufenthalts mit jungen Mönchen füllen. Wir sind spaet und ab 18 Uhr wird der Zugang fuer den Besuchsverkehr geschlossen, damit in Ruhe gebetet werden kann. Aber schon waehrend wir drin sind, fangen die Gebete an und in allen Ecken wird gemurmelt. Tashi erzaehlt uns eine Menge zu den ganzen Figuren, aber wir verstehen nur die Haelfte, akustisch und auch inhaltlich. Für mich ist auffaellig, wie die Reisefuehrer ueberall rumschreien, obwohl doch gebetet wird. Offensichtlich kein Problem hier. Es gibt verschiedene Stroemungen innerhalb der buddhistischen Kirche, klassifiziert nach der Farbe der Hüte. Am meisten ist von den Yellowhats die Rede, zu denen auch der Dalai Lama gehoert. Es gibt auch rote und schwarze Hüte...Der gegenwaertige DL ist die 14 Reinkarnation und er musste mit knapp 25 Lhasa verlassen, weil die Chinesen kamen. Vorher war das hier ein voellig freies Land.
Danach gehen wir noch auf das Dach des Tempels. Fast alle Daecher im alten Teil Lhasas sind gleich hoch und man sieht die umliegenden Berge und den Potala-Palast von hier. Waehrend wir oben sind, bricht sogar die Sonne einige Male durch die Wolken und wir saugen die klare Luft in uns hinein, während wir die Sicht geniessen und Fotos machen. Ein total unwirklicher Eindruck.
Als wir wieder aus dem Tempel herausgehen, schicken wir Tashi und den Fahrer nach Hause. Wir wollen ein wenig auf eigene Faust herumlaufen und zum Hotel finden wir schon. So gehen wir erstmal mit den Pilgern um den Palast. Die tibetische Altstadt hat lauter kleine Gassen und die Masse schiebt sich an einigen Stellen um die Ecken, dass man kaum stehenbleiben kann. Der gesamte Weg ist auf beiden Seiten mit Geschaeften in den Haeusern und kleinen Staenden davor zugebaut, die allerhand Tand verkaufen. Gebehtsmuehlen, Messer, Butterlampen, Schmuck, T-Shirts, Seidenteppiche, Stoffe, Yakbutter, usw - alles was das Pilgerherz begehrt. Wir schlendern einfach mit und soviel wie wir die Tibeter begaffen, so gaffen sie zurueck. Das dreimalige Laufen um den Jokhang-Temple muss ein Pilger einmal im Leben machen und viele kommen offesichtlich aus der tibetischen Pampa (die um ein vielfaches Groesser als Europa ist). Weisse wie uns haben sie noch selten gesehen, so Grosse wie Nicole (1,9m) sicher noch nie. Schnell haben wir einen kleinen Fanclub hinter uns. Alle laecheln, gruessen (tashi dele heisst guten tag) und wir gruessen nett zurueck. Die meisten bewundern unsere koerpergroesse und einige machen erstaunt oh! oder ah! wenn sie uns ploetzlich sehen oder stellen sich neben Nicole und merken mit Freude, dass sie ihr nur bis zum Ellenbogen gehen. Wir sind hier richtige Stars. :-) In der Gruppe sind einige, die nicht einfach nur um den Palast gehen, sondern sich alle 2m auf den Boden schmeissen. Die "messen den Pilgerweg mit ihrer Koerpergroesse" steht in meinem Buch. Sogar ein kleines Kind ist dabei. Mit Holzplatten an den Haenden rutscht es immer und immer wieder auf die Knie und dann mit der Stirn auf den Fussboden, dass es schon einen staubigen Punkt auf der Stirn hat. Diese Superglaeubigen verdienen ihr Leben nur mit Geld, das ihnen die Pilger zustecken. Der Pilger tut dabei etwas Gutes und es wird wahrscheinlicher, dass er hoeher wiedergeboren wird. So profitieren alle.
Wir merken schon jetzt, dass Lhasa ganz anders ist als alles, was wir bisher hier in China gesehen haben. Ruhiger, wuerdevoller und freundlicher. Nach unserem ganz persoenlichen Pilgergang (sicher ist sicher...) setzen wir uns auf eine Dachterasse, essen, und schauen zu, wie die Sonne untergeht. Die Speisekarte hält Dinge wie Yakjoguhrt, Lassi und eine Art Yakgulasch fuer uns bereit. Als wir im Dunkeln in Richtung Potala und Hotel nach Hause gehen, laufen immernoch einige Glaeubige um den Tempel.
Als wir unterhalb des Potala in einen Park gehen, schallt uns Walzermusik entgegen. Unpassend, irgendwie. Der Park oeffnet sich zu einem grossen Platz in dessen Mitte einige grosse
fontaenen spielen. Abgestimmt auf die Musik tanzt das Wasser ueber den Platz und es macht trotz der deplazierten Toene Spass, zuzuhoeren und zu schauen. Wir haben sogar ein Video gemacht, aber das ist wohl zu gross um es hochzuladen. Oberhalb des Platzes thront der Palast, und wir schiessen noch ein paar Fotos ehe es anfaengt zu regnen und wir einen armen Riksha-Fahrer mit unserem Gewicht belasten...
Morgens ging es mit dem Flieger nach Lhasa, die bekannte Bahn haben wir uns für die Rueckfahrt aufgehoben. Nach einem voellig sinnlosen Zwischenstopp in Chongqing (es ging nur aus dem Flugzeug in einen Aufenthaltsraum, 2 min spaeter auf der anderen Seite wieder raus und wieder in den Flieger) sind wir mittags am Flughafen Lhasa angekommen. Wegen der "Spontanität" unseres Reiseveranstalters waren wir nicht im Bilde ueber unser genaues Programm und sahen erst durch das Fenster eines oeffentlichen Busses den Reiseführer mit seinem Schild "Dickebohm Deiseroth". Ups. Also schnell wieder raus. Unser tibetischer Führer heisst Tashi und spricht hinreichend englisch, um ca. 80% zu verstehen. Ausserdem begleitet uns noch ein chinesischer Fahrer, wer hier wen beaufsichtigt wird während unserer ganzen Zeit nicht so ganz klar. Aber zu den politischen Verwirrungen koennen wir ja spaeter nochmal kommen. Am Flughafen bemerken wir erstmal nur, dass die Luft dermassen klar ist, dass man kilometerweit gucken kann und der Himmel sprichwoertlich blau mit weißen fluffigen Wolken. Genau wie der Seidenschal aus PVC, den uns Tashi nach tibetischer Sitte als Willkommensgruss um den Hals legt. Dann geht es gleich in den Landrover und wir legen ab gen Lhasa, das nochmal 50 km vom Flughafen entfernt ist. Auf der Fahrt wundern wir uns ueber die warme Sonne, weil wir uns eigentlich schon auf kaeltere Temperaturen eingestellt hatten. Es sollte sich allerdings zeigen, dass es nachts dann doch deutlich kaelter wurde, bis an die 0 Grad. Zuerst ging es in ein Hotel, 3 Sterne, so edel haben wir auf der ganzen Reise noch nicht genaechtigt, Nicoles Luxus-Wohnung mal ausgenommen. Ohne Rucksack haben wir uns erstmal selbst angeguckt und auf Zeichen der Höhenkrankheit gewartet. Lhasa liegt auf 3700m und es ist nicht unwahrscheinlich Kopfschmerzen von geringen Sauerstoffgehalt in der Luft zu bekommen. Bis auf die Tatsache, dass man nach wenigen Stufen ziemlich ko ist und ab und zu mal bewusst tief Luft holen muss, weil man so ein Gefuehl hat, man haette gerade kurz das Atmen vergessen war aber erstmal nix.
Dann ging unser Programm gleich los. Ab zum Jokhang-Temple, dem heiligsten Ort der tibetischen Buddhisten. Das erste was man von diesem Tempel sieht, ist das goldene Dach. Was einen dann in seinen Bann zieht sind die Menschen, die betend um den Haeuserblock ziehen, in dem der Tempel steht. Den Tempel immer rechterhand lassend, laufend uns hunderte Menschen entgegen. Die meisten haben traditionelle tibetische Kleidung an, also schwarze Gewänder aus Yakfellen, die mit allerlei bunten Mustern aus Seide verziert sind. Ausserdem haben sie Gebetsmuehlen und eine Art
Rosenkranz in der Hand und murmeln Gebete. Wir gehen gleich in den Tempel, weil er bald zumacht. Drinnen gibt es einen Innenhof und wir koennen sowohl in den Hauptraum als auch auf das
Dach. Der Hauptsaal, in dem das fotografieren verboten ist, ist quadratisch und es gehen an allen Seiten Türen ab. Es ist ziemlich dunkel, riecht stark nach Räucherstaebchen und alle Wände sind voll mit den verschiedensten Goldenen Buddha-, Dalai Lama- und Koenigsfiguren. In der Mitte des Raumes stehen einige besonders große Figuren der wichtigsten Gottheiten. Davor sind knapp 50 Gebetsplaetze, die sich waehrend unseres Aufenthalts mit jungen Mönchen füllen. Wir sind spaet und ab 18 Uhr wird der Zugang fuer den Besuchsverkehr geschlossen, damit in Ruhe gebetet werden kann. Aber schon waehrend wir drin sind, fangen die Gebete an und in allen Ecken wird gemurmelt. Tashi erzaehlt uns eine Menge zu den ganzen Figuren, aber wir verstehen nur die Haelfte, akustisch und auch inhaltlich. Für mich ist auffaellig, wie die Reisefuehrer ueberall rumschreien, obwohl doch gebetet wird. Offensichtlich kein Problem hier. Es gibt verschiedene Stroemungen innerhalb der buddhistischen Kirche, klassifiziert nach der Farbe der Hüte. Am meisten ist von den Yellowhats die Rede, zu denen auch der Dalai Lama gehoert. Es gibt auch rote und schwarze Hüte...Der gegenwaertige DL ist die 14 Reinkarnation und er musste mit knapp 25 Lhasa verlassen, weil die Chinesen kamen. Vorher war das hier ein voellig freies Land.
Danach gehen wir noch auf das Dach des Tempels. Fast alle Daecher im alten Teil Lhasas sind gleich hoch und man sieht die umliegenden Berge und den Potala-Palast von hier. Waehrend wir oben sind, bricht sogar die Sonne einige Male durch die Wolken und wir saugen die klare Luft in uns hinein, während wir die Sicht geniessen und Fotos machen. Ein total unwirklicher Eindruck.
Als wir wieder aus dem Tempel herausgehen, schicken wir Tashi und den Fahrer nach Hause. Wir wollen ein wenig auf eigene Faust herumlaufen und zum Hotel finden wir schon. So gehen wir erstmal mit den Pilgern um den Palast. Die tibetische Altstadt hat lauter kleine Gassen und die Masse schiebt sich an einigen Stellen um die Ecken, dass man kaum stehenbleiben kann. Der gesamte Weg ist auf beiden Seiten mit Geschaeften in den Haeusern und kleinen Staenden davor zugebaut, die allerhand Tand verkaufen. Gebehtsmuehlen, Messer, Butterlampen, Schmuck, T-Shirts, Seidenteppiche, Stoffe, Yakbutter, usw - alles was das Pilgerherz begehrt. Wir schlendern einfach mit und soviel wie wir die Tibeter begaffen, so gaffen sie zurueck. Das dreimalige Laufen um den Jokhang-Temple muss ein Pilger einmal im Leben machen und viele kommen offesichtlich aus der tibetischen Pampa (die um ein vielfaches Groesser als Europa ist). Weisse wie uns haben sie noch selten gesehen, so Grosse wie Nicole (1,9m) sicher noch nie. Schnell haben wir einen kleinen Fanclub hinter uns. Alle laecheln, gruessen (tashi dele heisst guten tag) und wir gruessen nett zurueck. Die meisten bewundern unsere koerpergroesse und einige machen erstaunt oh! oder ah! wenn sie uns ploetzlich sehen oder stellen sich neben Nicole und merken mit Freude, dass sie ihr nur bis zum Ellenbogen gehen. Wir sind hier richtige Stars. :-) In der Gruppe sind einige, die nicht einfach nur um den Palast gehen, sondern sich alle 2m auf den Boden schmeissen. Die "messen den Pilgerweg mit ihrer Koerpergroesse" steht in meinem Buch. Sogar ein kleines Kind ist dabei. Mit Holzplatten an den Haenden rutscht es immer und immer wieder auf die Knie und dann mit der Stirn auf den Fussboden, dass es schon einen staubigen Punkt auf der Stirn hat. Diese Superglaeubigen verdienen ihr Leben nur mit Geld, das ihnen die Pilger zustecken. Der Pilger tut dabei etwas Gutes und es wird wahrscheinlicher, dass er hoeher wiedergeboren wird. So profitieren alle.
Wir merken schon jetzt, dass Lhasa ganz anders ist als alles, was wir bisher hier in China gesehen haben. Ruhiger, wuerdevoller und freundlicher. Nach unserem ganz persoenlichen Pilgergang (sicher ist sicher...) setzen wir uns auf eine Dachterasse, essen, und schauen zu, wie die Sonne untergeht. Die Speisekarte hält Dinge wie Yakjoguhrt, Lassi und eine Art Yakgulasch fuer uns bereit. Als wir im Dunkeln in Richtung Potala und Hotel nach Hause gehen, laufen immernoch einige Glaeubige um den Tempel.
Als wir unterhalb des Potala in einen Park gehen, schallt uns Walzermusik entgegen. Unpassend, irgendwie. Der Park oeffnet sich zu einem grossen Platz in dessen Mitte einige grosse
fontaenen spielen. Abgestimmt auf die Musik tanzt das Wasser ueber den Platz und es macht trotz der deplazierten Toene Spass, zuzuhoeren und zu schauen. Wir haben sogar ein Video gemacht, aber das ist wohl zu gross um es hochzuladen. Oberhalb des Platzes thront der Palast, und wir schiessen noch ein paar Fotos ehe es anfaengt zu regnen und wir einen armen Riksha-Fahrer mit unserem Gewicht belasten...
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| Lhasa |
Lars + Katha: Die Woche getrennt rund um Zhengshou (oder so) Tag I + II....
Heute stecken Joern und ich noch fuer mehrere Stunden in Xian fest. Lars und Nicole sind gestern abend gen Peking abgeflogen, ein idealer Zeitpunkt also um von letzter Woche zu berichten.
Lars und meine Woche begann Sonntag mit einer Traumhaften Nachtfahrt im Ersteklasseabteil richtung Zhengshou. Ein Name, der unmoeglich so auszusprechen ist, dass ein Chinese nicht behauptet dass es diesen Ort nicht gibt!
Leider ist es dort auch garnicht schoen, deswegen ging es gleich weiter Richtung Kaifeng. Einer kleinen Stadt eine halbe Stunde mit dem Superluxuszug entfernt. Dort verbrachten wir den ersten teil des Tages erstmal mit Schlafen. Dann gab es eine Tempelbesichtigung und eine Tour mit der Rikscha rund um die Stadt. Alles nicht so spannend-bis es dunkel wurde. Dann breitete sich naemlich der spektakulaerste Nachtmarkt ueberhaupt direkt gegenueber unseres Hotels auf den Strassen aus! Tausende kleiner Fressstaende mit undefinierbarem und viel zu gut erkennbarem und interessante Suessspeisen. Alle staende hatte stuehle und tische dabei und die halbe stadt ass hier zu abend. Echt toll!
So toll sollte der naechste tag leider nicht weitergehen. Wir hatten morgens leider etwas getroedelt und das SEHR gewoehnungsbeduerftige Fruehstueck im Hotel zu lange genossen, so dass wir den Zug zurueck nach Zhengshou verpasst hatten. Das bedeutete 2 1/2 Stunden in der Bahnhofshalle warten! Warten in einer deutschen bahnhofshalle ist ja schon semilecker, aber in China... Zum Glueck stand an den Waenden, dass man nicht auf den Boden spucken darf, deswegen passierte das nur bedingt. Aber trotzdem traut man sich kaum den Rucksack abzustellen, weil hier alle ihren Muell, Sonnenblumenkernreste und eben Spucke einfach dort hinterlassen, wo sie stehen.... Der Zug war noch besser. Wir hatten leider keine Platzkarten, deswegen waren fuer uns nur die Plaetze uebrig, die direkt an die Waschraeume angrenzen. Hier wird dann gerotzt, geraucht und eben Muell hinterlassen. Das war toll. Noch dazu hat mich lars 5 mal im MauMau geschlagen.
Der Spass sollte in Zhengshou weitergehen. Ich hatte naemlich auf der Fahrt meine Fahrkarte verbaselt. Hier in China wird die Fahrtkarte VOR dem Einsteigen in den Zug 3x kontrolliert und einmal NACH dem Aussteigen. Warum? Keine Ahnung. Auf jeden Fall bin ich ein bischen angeschrien worden und musste schliesslich nachloesen. Die damen von der Bahn haben hier eine sehr aetzende und keifende schreistimme! Fand ich nicht gut und der chinesische Tag fuer mich war damit vollends gelaufen! Noch dazu diese ganzen aetzenden Trillerpfeifen, die versuchen die Leute unter Kontrolle zu bringen...nicht mein Ding!
Dann ging es weiter mit dem Bus. Wir wollten nach Dengfeng, dem Ort, der am naechsten an den Shaolinschulen und dem Shaolintempel liegt. Die Fahrt war ok, beim Aussteigen wurden wir allerdings derartig von Taxifahrern belagert, die wollten, dass wir bei Ihnen einsteigen oder in dem Hotel ihres Kumpels schlafen, dass wir auch schon ein wenig boese werden mussten! Danach haette ich gut nen Schnaps vertragen koennen! Unser Hotel, das an Position eins der Budgetunterkuenfte im LonelyPlanet steht, war dann ganz in Ordnung. 15 euro das Doppelzimmer kann man machen. Der Abend auf dem Nachtmarkt war anders als in Kaifeng, aber doch sehr nett. Die Leute waren ganz suess und waehrend wir unsere scharfen Nudeln assen wurden wir fuenfmal von einem kleinen Jungen besucht, der es so lustig fand uns 'Hallo' zuzurufen!
Sonntag, 21. September 2008
letzter Tag Beijing
Wenn man so viel unterwegs ist, dann kommt man mit dem Schreiben gar nicht nach... Weil uns schon die ein oder andere Nachfrage erreichte: Wir haben vom Milchskandal gehoert und halten uns etwas zurueck. Schwierig, weil ich eigentlich begonnen hatte, mich durch das chinesische Eis-am-Stiel-Angebot durchzulutschen. Aber Wassereis tuts ja auch.
Der letzte Tag in Beijing war wieder etwas abgebrochen, weil Nicole und Lars den Grossteil durch die Stadt geradelt sind, um Bahntickets zu kaufen. Die kann man immer nur an dem Bahnhof erstehen, von dem man faehrt, wenn man Glueck hat auch in einem kleinen Reisebuero. Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Abenteuer, bei dem von vornherein unklar ist, ob man am chinesichen Bahnsystem, an der hohen Nachfrage oder an der Sprache scheitert. Im Ergebnis dauert das Bahnticket kaufen halt immer eine Weile, so auch an diesem Tag. Katha und ich sind derweil in das Kuenstlerviertel 798 in Peking gefahren und unsere Erfahrungen waren eher gemischt. Ich nenne es mal organisierte Subkultur, breite Fussgaengerstrassen mit hunderten Rausgeputzten Galerien, aber irgendwie tot. Keine efeubewachsenen Ecken mit schummerigen Cafes, keine Haendler, keine kleinen Preise. Im Gegensatz zu dem Kunstviertel in Shanghai sozialistisch kuehl und leblos. Wir sind denn auch nur eine Stunde durchgelaufen und habens sein lassen. Um den anderen ein paar Kilometer zu ersparen sind wir ihnen mit dem Taxi entgegengefahren und haben noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Beijing gemacht. Durch kleine Gassen, vorbei an einem See, um den tausende Tourikneipen sind und wieder in die geliebten Hutongs in der Naehe von Glocken- und Trommelturm, da wo waehrend Olympia ein Ami ermordert wurde.
Spaetestens waehrend des Spaziergangs standen wir dann etwas unter Zeitdruck, weil wir uns naemlich heute trennen sollten. Katha und Lars sind noch am selben Tag mit dem Nachtzug nach Zhengzhou weiter, Nicoles und mein Flug nach Tibet ging am naechsten Morgen. Unter Zeitdruck haben wir uns irgendein Lokal fuer das Abendessen ausgesucht, und das hatte es mal wieder in sich. Obwohl nach vorne nur 3 Schaufenster breit, tat sich in dem Restaurant eine Esshalle nach der anderen auf und wir wurden gleich an einen Platz geleitet. Der Tisch gab einen Hinweis darauf, was uns in kulinarischer Hinsicht diesmal geboten werden sollte: Er hatte ein grosses Loch in der Mitte mit einer Gasflamme. Das Gericht nennt sich Hotpot (Feuertopf), auf die Gasflamme in der Mitte kommt ein grosser Pott Sosse und man bestellt sich allerlei Gemuese und Gefleisch, dass man dann darin aehnlich einem Fondue zubereitet. Unter tatkraeftiger Anleitung der Bedienung (die kannte wohl die Probleme der Langnasen) haben wir das Gelage dann durchgefuehrt. Zum Glueck konnte man zwei Grund-Suppen zum Erhitzen auswaehlen, so dass wir eine scharfe (darum Feuertopf) und eine nicht so scharfe gewaehlt haben. Was die Beilagen betrifft, die man dann darin warmmacht, war das Angebot zwar umfangreich, aber gut die Haelfte fiel allein aufgrund des Namens schon mal aus. (Jemand Hunger auf "Pig's Brain" oder "Chicken Hearts"?) Unsere Hauptsaechliche Wahl bestand also aus 8 verschiedenen Gemuesesorten und zwei Sorten "Schinken", die Katha auf den Nachbartischen identifiziert hatte. Das Mahl selbst war ueppig und es war fuer fast jeden was dabei. Sogar die Schaerfe war so, dass wir nicht vom Stuhl gekippt sind. Nur Lars hats nicht ganz so geschmeckt. Mag auch daran liegen, dass man das ganze Zeug einfach in die Bruehe reinschmeisst und dann danach sucht (=mit den Staebchen fischt) Dabei findet man dann auch ein paar Dinge, die man eigentlich nicht bestellt hatte, die aber wohl zur Grundbruehe dazugehoerten. Z.B. den ein oder anderen Huenherfuss. Als ich letzteren Essen wollte, hat die hilfsbereite Bedienung Einspruch erhoben, so dass ich noch immer nicht zum Zug gekommen bin.
Leider mussten Lars und Katha dann ziemlich schnell weg, um noch zu packen und ihren Zug zu erwischen, waehrend Nicole und ich noch die letzten Spinatblaetter aus der Bruehe angelten. Kaum waren die beiden mit dem Taxi weg, viel uns auf, dass Lars einen der Fahrradschluessel mitgenommen hatten, wir als gestrandet waren. Nach dem Essen kam dann also wieder so eine fuer diese Reise typische Improvisier-Aktion. Auf dem Weg zu den Raedern haben wir uns in einem Fahrradladen mit eine Eisensaege geliehen (Kommunikation im wesentlichen durch Gesten, weiss auch nicht, was die sich gedacht haben), die wir gleich anlegten, waehrend ein Gewitter aufzog. Als das Ding zu einem Viertel durch war, brach das Segeblatt. Taschentuch drum und mit dem rohen Blatt in der Hand weitergesaegt, waehrend es anfing, wie aus Eimern zu giessen. Zum Glueck hat uns dabei ein netter Nachbar zugeschaut, der dann mit Regencapes und Seitenschneider zuhilfe eilte. Der Seitenschneider war zwar stumpf wie ein Speisemesser, aber nach ein wenig haengen und wuergen ging das Schloss dann doch auf. Dann noch mit betretenem Gesicht die Saege zurueckgebracht und etwas Geld fuer ein neues Saegeblatt dagelassen. Bis dahin hatte der Regen dann auch wieder aufgehoert und wir konnten in Ruhe nach Hause radlen. Nur dass wir da dann natuerlich nicht mehr wie geplant auf Katha und Lars trafen, die waren schon ueber alle Berge. Aber der Fahrradschluessel, der lag auf dem Kuechentisch...
Der letzte Tag in Beijing war wieder etwas abgebrochen, weil Nicole und Lars den Grossteil durch die Stadt geradelt sind, um Bahntickets zu kaufen. Die kann man immer nur an dem Bahnhof erstehen, von dem man faehrt, wenn man Glueck hat auch in einem kleinen Reisebuero. Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Abenteuer, bei dem von vornherein unklar ist, ob man am chinesichen Bahnsystem, an der hohen Nachfrage oder an der Sprache scheitert. Im Ergebnis dauert das Bahnticket kaufen halt immer eine Weile, so auch an diesem Tag. Katha und ich sind derweil in das Kuenstlerviertel 798 in Peking gefahren und unsere Erfahrungen waren eher gemischt. Ich nenne es mal organisierte Subkultur, breite Fussgaengerstrassen mit hunderten Rausgeputzten Galerien, aber irgendwie tot. Keine efeubewachsenen Ecken mit schummerigen Cafes, keine Haendler, keine kleinen Preise. Im Gegensatz zu dem Kunstviertel in Shanghai sozialistisch kuehl und leblos. Wir sind denn auch nur eine Stunde durchgelaufen und habens sein lassen. Um den anderen ein paar Kilometer zu ersparen sind wir ihnen mit dem Taxi entgegengefahren und haben noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Beijing gemacht. Durch kleine Gassen, vorbei an einem See, um den tausende Tourikneipen sind und wieder in die geliebten Hutongs in der Naehe von Glocken- und Trommelturm, da wo waehrend Olympia ein Ami ermordert wurde.
Spaetestens waehrend des Spaziergangs standen wir dann etwas unter Zeitdruck, weil wir uns naemlich heute trennen sollten. Katha und Lars sind noch am selben Tag mit dem Nachtzug nach Zhengzhou weiter, Nicoles und mein Flug nach Tibet ging am naechsten Morgen. Unter Zeitdruck haben wir uns irgendein Lokal fuer das Abendessen ausgesucht, und das hatte es mal wieder in sich. Obwohl nach vorne nur 3 Schaufenster breit, tat sich in dem Restaurant eine Esshalle nach der anderen auf und wir wurden gleich an einen Platz geleitet. Der Tisch gab einen Hinweis darauf, was uns in kulinarischer Hinsicht diesmal geboten werden sollte: Er hatte ein grosses Loch in der Mitte mit einer Gasflamme. Das Gericht nennt sich Hotpot (Feuertopf), auf die Gasflamme in der Mitte kommt ein grosser Pott Sosse und man bestellt sich allerlei Gemuese und Gefleisch, dass man dann darin aehnlich einem Fondue zubereitet. Unter tatkraeftiger Anleitung der Bedienung (die kannte wohl die Probleme der Langnasen) haben wir das Gelage dann durchgefuehrt. Zum Glueck konnte man zwei Grund-Suppen zum Erhitzen auswaehlen, so dass wir eine scharfe (darum Feuertopf) und eine nicht so scharfe gewaehlt haben. Was die Beilagen betrifft, die man dann darin warmmacht, war das Angebot zwar umfangreich, aber gut die Haelfte fiel allein aufgrund des Namens schon mal aus. (Jemand Hunger auf "Pig's Brain" oder "Chicken Hearts"?) Unsere Hauptsaechliche Wahl bestand also aus 8 verschiedenen Gemuesesorten und zwei Sorten "Schinken", die Katha auf den Nachbartischen identifiziert hatte. Das Mahl selbst war ueppig und es war fuer fast jeden was dabei. Sogar die Schaerfe war so, dass wir nicht vom Stuhl gekippt sind. Nur Lars hats nicht ganz so geschmeckt. Mag auch daran liegen, dass man das ganze Zeug einfach in die Bruehe reinschmeisst und dann danach sucht (=mit den Staebchen fischt) Dabei findet man dann auch ein paar Dinge, die man eigentlich nicht bestellt hatte, die aber wohl zur Grundbruehe dazugehoerten. Z.B. den ein oder anderen Huenherfuss. Als ich letzteren Essen wollte, hat die hilfsbereite Bedienung Einspruch erhoben, so dass ich noch immer nicht zum Zug gekommen bin.
Leider mussten Lars und Katha dann ziemlich schnell weg, um noch zu packen und ihren Zug zu erwischen, waehrend Nicole und ich noch die letzten Spinatblaetter aus der Bruehe angelten. Kaum waren die beiden mit dem Taxi weg, viel uns auf, dass Lars einen der Fahrradschluessel mitgenommen hatten, wir als gestrandet waren. Nach dem Essen kam dann also wieder so eine fuer diese Reise typische Improvisier-Aktion. Auf dem Weg zu den Raedern haben wir uns in einem Fahrradladen mit eine Eisensaege geliehen (Kommunikation im wesentlichen durch Gesten, weiss auch nicht, was die sich gedacht haben), die wir gleich anlegten, waehrend ein Gewitter aufzog. Als das Ding zu einem Viertel durch war, brach das Segeblatt. Taschentuch drum und mit dem rohen Blatt in der Hand weitergesaegt, waehrend es anfing, wie aus Eimern zu giessen. Zum Glueck hat uns dabei ein netter Nachbar zugeschaut, der dann mit Regencapes und Seitenschneider zuhilfe eilte. Der Seitenschneider war zwar stumpf wie ein Speisemesser, aber nach ein wenig haengen und wuergen ging das Schloss dann doch auf. Dann noch mit betretenem Gesicht die Saege zurueckgebracht und etwas Geld fuer ein neues Saegeblatt dagelassen. Bis dahin hatte der Regen dann auch wieder aufgehoert und wir konnten in Ruhe nach Hause radlen. Nur dass wir da dann natuerlich nicht mehr wie geplant auf Katha und Lars trafen, die waren schon ueber alle Berge. Aber der Fahrradschluessel, der lag auf dem Kuechentisch...
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