Dienstag, 16. September 2008

Auf der Mauer, auf der Lauer...

Der zugegeben etwas kurze Besuch in Chengde sollte nicht zuungunsten des Mauerbesuchs verlaengert werden. Also haben wir uns am naechsten Morgen ein Busticket erstanden und sind spontan an irgendeiner Landstrasse im Nichts aus dem Bus geschmissen worden. Irgendwo hier muss doch die Mauer sein. Ein bisschen Gefeilsche mit einem Taxifahrer spaeter (Sonst laufen wir!- Too far, Too far) waren wir dann wirklich in Simatai, einem vergleichsweise wenig ueberlaufenem Mauerabschnitt zwischen Chengde und Peking. Um unsere Herkunft zu verschleiern und gegen die Sonne haben wir uns vier chinesische Strohhuete geleistet und sind mit Sack und Pack losgestapft. Wir beiden Jungs hatten die schweren Rucksaecke, Nicole einen kleieneren Rucksack und Katha -stilvoll- eine Plastiktuete mit Fressalien, Ziel war das Mauerstueck Jinshanling, ca. 4 Stunden in Nordoestlicher Richtung. Schon nach wenigen Hoehenmetern verlockte uns ein quer ueber einen See zurueck ins Tal gespanntes Seil, doch noch mal von Vorne anzufangen. Am Seil waren freihaengende Sitze eingeklinkt und man konnte eine ziemlich lange Strecke einfach durch die Luft ins Tal zurueckrutschen. Angesichts der Strecke, die noch vor uns lag, widerstanden wir.
Die Mauer selbst ist ca. 5 Meter breit und wird alle 300m von einem Wachturm unterbrochen. Grosse Teile sind gut erhalten oder restauriert, so dass man wie auf einem Steinernen Wanderweg unterwegs ist. Allerdings sind einige Passagen sehr steil, sowohl aufwaerts als auch abwaerts und von DIN Normen fuer das Stufenmass war 200 v. Chr. in China auch noch nicht viel bekannt: Jede Stufenhoehe zwischen 5 cm und 40 cm ist vorhanden. Dafuer wird man von faszinierenden Blicken in einer tollen Landschaft entschaedigt. Da die Mauer ja der Verteidigung galt ist sie stets auf den hohen Bergkaemmen gebaut worden und bei guter Witterung (die wir hatten) kann man die Schlange aus Wachtuermen in beide Richtungen einige 10 km weit sehen. Zwischen unseren Start und Zielabschnitten gab es auch einige ziemlich zerbroeckelte Abschnitte, an denen die Restaurierung bisher vorbei gegangen ist. Ich bin ja mal gespannt, wie lange die chinesische Regierung hier noch unbedarfte Touris alles platttrampeln laesst. Ich denke, wir alle vier haben uns sehr gut gemacht und waren froh, dass die Sonne nicht die ganze Zeit voll auf unsere Koepfe schien, sondern sich immer mal eine Wolke dazwischenschob. Kurze Lunchpausen mit chinesischen und amerikanischen Keksen fuehrten leider immer dazu, dass man sofort von bettelnden Verkaeufern (oder andersherum) umgeben war, die man unmoeglich alle zufriedenstellen kann. Die Erpressen ganz unverholen "1 yuan, i go home". Trotzdem hatten wir auch immer wieder Zeiten, in denen wir mehr oder weniger alleine herumkraxelten und kurze, unbeobachtete Shaolin-Kampfszenen nachstellen konnten. :-) Gutgelaunt, durchgeschwitzt und mit ordentlich Pudding in den Beinen sind wir nach ca. 4-5 h dann auch am Ziel angekommen. Sturzlos, was insbesondere bei Nicoles Treppen-Absteige-Phobie bemerkenswert ist. Die Uebernachtung in einem Wachturm war widererwarten verboten und angesichts fehlender Infrastruktur (insbesondere Dusche) auch wenig lukrativ, so dass wir uns spontan entschieden, die restlichen 120 km doch mit dem Taxi nach Peking zurueckzulegen. Die (von unserer Seite mit der altbewaehrten good guy (Joern), bad girl (Nicole)-Strategie angegangene) Preisverhandlung fuehrte zu einem Betrag von 40 Euro fuer die ganze Strecke. Noch kurz unterbrochen von einem Komplettausfall der Lichtanlage (kann man ja direkt an die Batterie ueberbruecken, lieber Herr Taxifahrer) kamen wir groggy und gluecklich wieder in Nicole's "Park Avenue" an. Um die Koernerfresser unter uns Gluecklich zu machen sind wir dann noch in ein von einem Moench gefuehrtes vegetarisches Restaurant gegangen. Bei weitem das teuerste Abendessen, dass wir bisher genossen haben, gleichzeitig aber auch vorzueglich. Bei Eintreten wird man angehalten, die Haende mit Lotosparfum einzureiben und raeuspert sich ein Gast zu laut, wird sofort von einem mittleren Erstickunsanfall ausgegangen und man bekommt ungefragt einen Kelch Wasser dargereicht. Die Menues heissen Steak oder Chicken mit irgendwas, sind aber gaenzlich ohne Fleisch zubereitet. Wir hatten wiedermal einige neue Gerichte, die uns vom Hocker gehauen haben. Ueberhaupt, seit wir in Peking sind, haben wir jeden Abend ein neues Restaurant zum Essen gefunden, dass Neues und Vorzuegliches fuer uns bereithielt. Bei Gelegenheit mache ich dazu mal einen Extra-Eintrag.

Mauer

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