Samstag, 13. September 2008

Paralympic Beijing

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes musste Nicole leider nochmal arbeiten (der Vorstand rief...) aber das dreiköpfige Rumpfteam hat sich spontan dazu entschieden, doch einen olympischen Tag einzulegen. Zurzeit finden hier noch die Paralympics statt und die Tickets sind erstaunlich billig und leicht zu bekommen. Also haben wir uns Karten für die Leichtatlethik-Session am Mittag im "Vogelnest" gesichert. Das Vogelnest ist das Stadion, dass wir alle aus der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele kannten. Hin gings mit dem Rad, ca. 1h an einer Hauptverkehrsstrasse entlang. Parallel zu allen großen Strassen laufen in Peking breite asphaltierte Strassen, die sich Taxifahrer, Busse und 2- bzw. 3-rädrige Gefährte teilen, so dass man ganz gut vorankommt. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an die Verkehrsregeln gewöhnt, die sich vielleicht unter "Geht nicht gibts nicht" zusammenfassen lassen. Auf den ersten Blick ein grosses Chaos, auf den zweiten Blick kann man aber als Radfaher manchmal schneller voran kommen, weil Rote Ampeln nicht so richtig für einen selbst gelten. Nur fuer die anderen. Alternativ kommt man auch mit dem Taxi ganz gut vorwärts, für ca. 5 Euro kommt man quer durch die Stadt, wir fahren selten für mehr als 3 Euro. Durch vier geteilt sind das studentenfreundliche Preise wuerd ich mal sagen.
Der Besuch im "Olympic Green" war einmalig. Obwohl wir etwas Probleme mit dem Finden eines Parkplatzes für unsere Räder hatten (Hallo? Sind wir hier in China?!?) sind wir durch die obligatorischen Scanner-Dinger reingekommen und gleich in das bekannte Stadion. In den folgenden 3 Stunden haben wir dann Kugelstoßen, 100m Läufe und 100m Rollstuhlfahren gesehen, jeweils unterbrochen von verschiedenen Medallienzeremonien. Das Stadion sieht phantastisch aus, wirkt aber im TV größer als in der Realität (Hallo? Wir sind hier in China!). Es war kaum halb besetzt, was wohl auch die billigen (5 Euro) Karten erklärte. Wir haben zwischendurch die Plätze gewechselt und hunderte Fotos vom Stadion mit dem olympischen Feuer und den Athleten gemacht.
Schon mal 100m-Blinden-Sprint gesehen? Jeder Blinde bekommt dabei einen Guide an die Seite, mit dem er über ein Bändchen an einem Handgelenk verbunden ist. Derjenige darf immer nur genauso schnell laufen wie der Athlet, hält letzteren aber auf der Bahn und zeigt ihm so den Weg. Super anzusehen. Das wird nur übertroffen von Blinden-Fußball, den wir hinterher noch kurz im TV gesehen haben.
Wann immer ein Chinesischer Sportler dran war, stieg der Geräuschpegel stark an und die chinesischen Sportler haben auch überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Teilweise so überlegen, dass wir schon überlegt haben, ob da die olympischen Regeln nicht ganz so ernt genommen wurden... Ein paar Deutsche waren auch dabei, eine Goldmedallie sogar, so dass wir den umsitzenden Chinesen unsere Sangeskünste vorstellen konnten. Die revanchierten sich wiedermal mit der einen oder anderen Fotoanfrage.
Als die Session vorbei waren sind wir noch ein paar Stunden über das Olympic Green geschlendert. Das ist ein riesiger Park, in dem das Stadion und die blasige Schwimmhalle stehen. Ausserdem noch Wasserspiele, pseudo-historische Häuser und Tore, Pavillons der Hauptsponsoren (ja, auch den meines Arbeitgebers haben wir besucht) und der größten McDonalds, den ich je gesehen habe mit ca. 20 Kassen nebeneinander (und auch hier waren wir...). Unser Plan, noch Karten für eine Schwimmveranstaltung zu ergattern, scheiterte daran, dass diese nur über den Schwarzmarkt zu beziehen waren, und dann zu einem Eröffnungsangebot von ca. 20 Euro. Wir sind schon zu sehr an chinesische Preise gewöhnt, als das wir das ausgegeben hätten. Zuletzt sind wir noch einer chinesischen Obsession aufgesessen. Offensichtlich um die chinesischen Menschenmassen zu steuern, wird hier immer sehr genau festgelegt, wo man irgendwo rein darf, wo man langzugehen hat und wo man wieder raus darf. So ist auch im Olympic Green ein Eingang nicht gleichzusetzen mit einem Ausgang, beides kann sogar ziemlich weit voneinander entfernt sein. Wir sind noch fast 1 Stunde kreuz und quer gelaufen um vom Gelände wieder runterzukommen. Das muss hier alles seine Richtigkeit haben, bitteschoen.
Mit dem Rad gings wieder zurück und nach ein wenig Warten haben wir Nicole wieder in ihrer Lobby in Empfang genommen. Abermals haben wir den Abend mit einem prächtigen Essen in einem von Nicole vorgeschlagenen Restaurant beschlossen. Bis auf die Eimer, die in der Mitte des Raumes standen um den von der Decke tropfenden Regen aufzufangen, war alles upper-class und wir haben uns wie immer eine wahre Essensschlacht geleistet. Highlight war, das wir es sogar geschafft haben, noch Nachtisch zu bestellen, der nicht auf der Karte war. Zwar hat unsere Gestik erstmal dazu geführt, dass wir eine Megaschuessel voller Eis (also gefrorenes Wasser) bekamen, aber der zweite Anlauf hat dann gelappt und wir haben so eine Art frittierten Vanillepudding mit Honigsoss bekommen. Absolut köstlich!

SuzhouundTaian

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