Der Morgen danach... war schrecklich. Eigentlich waren wir uns um 8.30 mit Tashi zum Fruehstuecken verabredet, aber darauf hatten wir beide keine gesteigerte Lust. Jede Minute Bett war kostbar. Da das Wetter gut war und wir ueber den Pass konnten haben wir uns trotzem aufgerafft. Um 9.30 gings los. Leider wohl 1 Minute zu spaet, nach ca. 1,5h Fahrt wurde vor uns gerade die Strasse gesperrt. Wir waren das verdammte erste Auto! Die Polizei hat mal spontan fuer 4h die Strasse gesperrt, um den Strassenbelag zu erneuern. Das war zweifelsfrei noetig, aber man haette doch z.B. gestern hier ein Schild aufstellen koennen, oder?!? Es blieb uns nix anderen uebrig, als 4h in dem Kaff rumzuhaengen und einen punkt nach dem anderen von unserem Reiseplan zu streichen. So fiel der Besuch des Klosters Sera weg, weil wir ja nun erst so spaet wieder in Lhasa waren. Ueber die Zeit strandeten immer mehr Leute in dem Kaff, so dass es am Schluss voll war mit Landrovern, Lastwagen, Bussen und Motorraedern. Auch ein hollaendisches Paerchen war da, die auch die Nacht am See verbracht hatten. Die haben sich immer nur beschwert, da waere nix zu tun. Hatten sie am See auch schon gesagt. Keine Ahnung, was sie da erwartet hatten, vielleicht ein Kino oder so? Der Stopp in dem Kaff hatte allerdings schon mal die gute Seite, dass wir schon wieder ein wenig tiefer als die 4700m waren, un unsere Koepfe sich langsam entspannten.
Gegen 4 sind wir dann endlich in Lhasa angekommen. Auf dem Programm stand noch der Besuch des Sommerpalastes des DL, der Norbulinka. Das ist ein grosser Garten mit verschiedenen Tempeln fuer 4 der ganzen DL. Viele Baeume, Blumen und darin verstreute Haeuschen. Der aktuelle DL hat leider nur 2 Sommer hier verbringen koennen, bevor ihn die Chinesen verjagt haben. Dafuer koennen wir Touris alles jetzt ganz genau anschauen, wieder mal bis aufs Klo. Die Tour durch das Haus umfasst auch einen Gang durch die gekachelten Gemaecher des Lebenden, inkl. reich mit geopferten Geldscheinen dekorierter Kloschuessel. Tztztz.
Ansonsten ist der Sommerpalast wirklich viel angenehmer als der Potala. Und wieder diese Widerspueche: Tausende von Blumen, in allen Farben, leuchten in die Sonne, darueber an den Tempel gepinnt ein Din A4-Blatt, auf dem steht: Nicht anfassen, alles ist gespritzt bis zum Abwinken.
In "7 Jahre in Tibet" beschreibt H.Harrer, wie er hier das erste Kino fuer Filmvorfuehrungen fuer den DL baut. Leider werden wir da nicht durhgefuehrt.
Waehrend wir in Tibet waren haben wir immer mal zu dem Verhaeltnis von Chinesen und Tibetern gefragt. Tashi und andere haben dann immer geantwortet "I don't want to talk about this." oder "I will get in trouble." Eigentlich war ich gar nicht so ein "Free Tibet"-Vertreter, aber wenn man auf solche Reaktionen stoesst, dann muss an der Unterdrueckung ja wirklich was dran sein. Diejenigen, die uns etwas erzaehlt haben, haben z.B. gesagt, dass die Unruhen von der Polizei provoziert wurden. Die chinesische Polizei hat nach dieser Sicht die Kloster zugemacht und die Moenche nicht zu einer wichtigen Prozession gehen lassen. Daraufhin erst sind die Tibeter auf die Strasse gegangen. Und waehrend die olympische Flagger hier durchging, gab es eine Ausgangssperre, keiner durfte aus dem Haus. Nur ein paar Handverlesene durften sich jubelnd an die Strecke stellen. Die Tibeter werden offensichtlich doch ganz schoen unterdrueckt hier, und das obwohl der DL ja nichtmal die Autonomie fordert. Warum haben die Chinesen das noetig? Keiner weiss es...
Abends sind wir ziemlich kaputt in unser Hotelbett gefallen. So ganz weg war die Hoehenkrankheit noch nicht.
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