Dienstag, 23. September 2008

Allerhoechste Eisenbahn

Nach drei Tagen war unsere Tibet-Tour damit auch schon zuende. Nur die Bahnfahrt auf der hoechsten Strecke der Welt, die hatten wir uns noch aufgehoben. Abfahrt frueh morgens aus dem niegelnagelneuen Bahnhof von Lhasa und dann 36h lang mehr oder weniger abwaerts gen Xian. Der hoechste Punkt ist wiederum auf ueber 5000m, was uns diesmal aber nicht so zu schaffen gemacht hat: In der Fahrgastkabine wird Sauerstoff zugesetzt. :-) Die Durchsagen sind auch auf englisch, an den Haltestellen darf man kurz aussteigen, also eine richtig luxurioese Fahrt. Aus dem Fenster sieht man die typischen weiten Ebenen und schneebedeckten Berge, in denen wir die letzten drei Tage schon verbracht haben. Ab und an steht ein salutierender Soldat irgendwo in der Pampa neben seinem Zelt mit chinesicher Flagge. Warum der da steht? Keine Ahnung. Ausserdem haben wir gemerkt, dass es immer waermer wurde. Lhasa war noch schoen kuehl, aber hier sieht man auch wieder die ersten Menschen mit nacktem Oberkoerper auf irgendwelchen Baustellen arbeiten. Nicht so mein Ding,diese Hitze. Aber hilft nix, wir muessen zurueck gen Sueden.

tibetische Spontanitaet

Der Morgen danach... war schrecklich. Eigentlich waren wir uns um 8.30 mit Tashi zum Fruehstuecken verabredet, aber darauf hatten wir beide keine gesteigerte Lust. Jede Minute Bett war kostbar. Da das Wetter gut war und wir ueber den Pass konnten haben wir uns trotzem aufgerafft. Um 9.30 gings los. Leider wohl 1 Minute zu spaet, nach ca. 1,5h Fahrt wurde vor uns gerade die Strasse gesperrt. Wir waren das verdammte erste Auto! Die Polizei hat mal spontan fuer 4h die Strasse gesperrt, um den Strassenbelag zu erneuern. Das war zweifelsfrei noetig, aber man haette doch z.B. gestern hier ein Schild aufstellen koennen, oder?!? Es blieb uns nix anderen uebrig, als 4h in dem Kaff rumzuhaengen und einen punkt nach dem anderen von unserem Reiseplan zu streichen. So fiel der Besuch des Klosters Sera weg, weil wir ja nun erst so spaet wieder in Lhasa waren. Ueber die Zeit strandeten immer mehr Leute in dem Kaff, so dass es am Schluss voll war mit Landrovern, Lastwagen, Bussen und Motorraedern. Auch ein hollaendisches Paerchen war da, die auch die Nacht am See verbracht hatten. Die haben sich immer nur beschwert, da waere nix zu tun. Hatten sie am See auch schon gesagt. Keine Ahnung, was sie da erwartet hatten, vielleicht ein Kino oder so? Der Stopp in dem Kaff hatte allerdings schon mal die gute Seite, dass wir schon wieder ein wenig tiefer als die 4700m waren, un unsere Koepfe sich langsam entspannten.
Gegen 4 sind wir dann endlich in Lhasa angekommen. Auf dem Programm stand noch der Besuch des Sommerpalastes des DL, der Norbulinka. Das ist ein grosser Garten mit verschiedenen Tempeln fuer 4 der ganzen DL. Viele Baeume, Blumen und darin verstreute Haeuschen. Der aktuelle DL hat leider nur 2 Sommer hier verbringen koennen, bevor ihn die Chinesen verjagt haben. Dafuer koennen wir Touris alles jetzt ganz genau anschauen, wieder mal bis aufs Klo. Die Tour durch das Haus umfasst auch einen Gang durch die gekachelten Gemaecher des Lebenden, inkl. reich mit geopferten Geldscheinen dekorierter Kloschuessel. Tztztz.
Ansonsten ist der Sommerpalast wirklich viel angenehmer als der Potala. Und wieder diese Widerspueche: Tausende von Blumen, in allen Farben, leuchten in die Sonne, darueber an den Tempel gepinnt ein Din A4-Blatt, auf dem steht: Nicht anfassen, alles ist gespritzt bis zum Abwinken.
In "7 Jahre in Tibet" beschreibt H.Harrer, wie er hier das erste Kino fuer Filmvorfuehrungen fuer den DL baut. Leider werden wir da nicht durhgefuehrt.

Waehrend wir in Tibet waren haben wir immer mal zu dem Verhaeltnis von Chinesen und Tibetern gefragt. Tashi und andere haben dann immer geantwortet "I don't want to talk about this." oder "I will get in trouble." Eigentlich war ich gar nicht so ein "Free Tibet"-Vertreter, aber wenn man auf solche Reaktionen stoesst, dann muss an der Unterdrueckung ja wirklich was dran sein. Diejenigen, die uns etwas erzaehlt haben, haben z.B. gesagt, dass die Unruhen von der Polizei provoziert wurden. Die chinesische Polizei hat nach dieser Sicht die Kloster zugemacht und die Moenche nicht zu einer wichtigen Prozession gehen lassen. Daraufhin erst sind die Tibeter auf die Strasse gegangen. Und waehrend die olympische Flagger hier durchging, gab es eine Ausgangssperre, keiner durfte aus dem Haus. Nur ein paar Handverlesene durften sich jubelnd an die Strecke stellen. Die Tibeter werden offensichtlich doch ganz schoen unterdrueckt hier, und das obwohl der DL ja nichtmal die Autonomie fordert. Warum haben die Chinesen das noetig? Keiner weiss es...

Abends sind wir ziemlich kaputt in unser Hotelbett gefallen. So ganz weg war die Hoehenkrankheit noch nicht.

Wir machen den Ikarus...

... und wollen immer hoeher hinaus. Das kann ja nicht gutgehen. Aber der Tag fing noch gut an. Nach einer ganz guten Nacht haben wir uns morgens mit Tashi getroffen um den Potala zu besichtigen. Das Wetter war etwas schlechter als gestern, so dass wir ein wenig unter Zeitdruck standen. Um zu unserem naechsten Ziel zu gelangen, dem Namtso-See, mussten wir ueber einen Pass auf 5200m Hoehe, und der ist vorzugsweise nachmittags passierbar. D.h. Touri-Pflichten in Lhasa vergleichsweise schnell erledigen, damit der Pass noch passierbar ist, wenn wir dort ankommen.
Der Potala ist ein riesiger Palast, in dem einige Tempel, eine Moenchsschule, die Regierung und die Privatraeume des Dalai Lama untergebracht waren. Heute kann man nahezu alles besichtigen. Er ist sehr exponiert auf einem Huegel inmitten der Stadt Lhasa und ueberblickt die ganze Stadt. Ueber einige Treppen geht erreicht man das unterste der 13 Stockwerke. Ca. 2 Stunden sind wir dann durch ein Labyrinth kleiner Gaenge, Treppen und dunkler Raeume gegangen. Zuerst ging es durch reich verzierte Raeume, in denen der Dalai Lama winters seine Gaeste empfangen hat, von seinen Lehrern erzogen wurde oder sich zum Beten zurueckgezogen hat. Die Raeume sind an sich nichts spektakulaeres, bis auf die Tatsache, dass sie reich verziert sind: geschnitzte und bunt verzierte Tuerrahmen, Seidene Teppiche an den Waenden, wenige Moebel und wenn dann nur eine Liege oder ein Thron. Und dabei ist alles ziemlich dunkel mit nur kleinen Fenstern. Da der DL im Winter eigentlich nie aus seinem Palast rauskommt kann man schon glauben, dass das ziemlich muffig ist und wenig Spass macht, dort zu wohnen. Gleich nebenan beginnt ein wahrer Marathon von Tempeln. Im mittleren roten Teil des Palastes sind die Tempelraeume und die Graeber aller DL zwischen dem 5. und dem 13. . Mit Ausnahme des 6., der wohl etwas umtriebig war.
Man sagt, er waer gern in der Stadt unterwegs gewesen auf der Suche nach Wein und Weib... Eigentlich ist beides streng verboten fuer einen Moench. Irgendwann ist er dann verschollen und so genau weiss keiner wo er gestorben ist. Angeblich gibt es ein Grab irgendwoanders in Tibet. Die Tempel sind nicht wie man es sich vorstellt grosse Hallen, sondern oft ebenfalls dunkle, kleine verwinkelte Raeume, vollgestopft mit Schriftrollen und goldenen Buddhafiguren. Dazu ueberall Badewannen voller Wachs mit brennenden Doechten (Was ist die Mehrzahl von Docht?) darin und Raeucherstaebchen in jeder Ecke. Nach der ganzen Kletterei schnuert uns der Duft fast die Kehle zu. Jeder DL hat seinen eigenen Tempel, in dem er sich aufgehalten hat und meistens noch ein Zimmer, in dem sein Sarg steht. Die Saerge sind riesige Kisten, bis zu 5x5m aus purem Gold. Je groesser der Sarg, desto wichtiger der DL. Obwohl, sind ja eh alles Wiedergeburten, also eigentlich liegt in jeder Kiste der Selbe. Um die Saerge herum -wer haette es gedacht- Buddhafiguren en masse. Fuer jedes Aua und jeden Wunsch gibt es einen eigenen Buddha, wichtig sind insbesondere der fuer langes Leben und der fuer das Mitgefuehl. Bunte Fratzen an den Waenden und manchmal auch in Figurenform stellen die Protektoren dar, die vor dem Boesen schuetzen sollen. Wieder beten mitten im Getummel ueberall Moenche und die Glaeubigen pappen Geld an alles, was nicht bei drei auf den Baeumen ist. Das geben von Geld ist offensichtlich sehr wichtig fuer den Glauben und die Raeume liegen buchstaeblich voll mit Scheinen.
Immer mehr fallen uns bei den Tibetern -aus unserer Sicht- grosse Widersprueche auf: Zwischen allem goldenen Verzierungen, Schnitzereien, Gemaelden liegen Tetrapaks voller Milch als Opfergaben. Der Buddhistische Moench muss sich insbesondere verschiedene Pflichten halten: Nicht toeten (nicht mal eine Muecke), nicht Stehlen, nicht luegen, keine Heirat und auch kein Alkohol. Das haelt nicht davon ab, ordentlich Reiswein zu opfern (sprich: Flaschen auf den Altar zu stellen) Das ueberall herumgestreute Geld ist insofern eigenartig, weil ja ueberall Mao drauf abgebildet ist, und das ist fuer die Tibeter ja nun der grosse Unterdruecker schlechthin. Die ins Gebet vertieften Moenche darf man gern unterbrechen um seine dummen Touristenfragen loszuwerden. Sie freuen sich sogar. Das sind so ein paar Kleinigkeiten, ueber die wir stolpern. Ebenso auffaellig ist, dass alle an uns interessiert sind und laecheln, lachen, Fragen stellen.
Nach der Besichtigung machen wir noch ein paar Fotos, unter anderem von einem echten Plumsklo an der Aussenmauer des Potala. So muessen sich auch die Ritter auf den mittelalterlichen Burgen frueher Gefuehlt haben...
So, und dann geht es mit dem Auto in Richtung Namtso. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und die Wolkendecke reisst nur langsam auf, dabei fahren wir durch ein breites Tal immer weiter in die Berge. Der Fahrer muss auf drei Dinge aufpassen: 30cm tiefe Schlagloecher, Selbstmoerderische Ueberholer und Tiere, insbesondere Yak- und Schafherden. Am Strassenrand sind mehr und mehr Nomadenzelte, immer mit einem Motorrad davor, das das traditionelle Pferd weitgehend abgeloest hat. Wenigstens ist das Motorrad mit einem netten Teppich mit religioesen Motiven verziert, da ist der touristischen Romantik genuege getan. Neben der Strasse sind immer wieder bunte Gebetsfahnen an Bruecken, Steinen und Haeusern befestigt. Tausende blauer (Himmel), weisser (Wolken), roter (Feuer), gruener (Wasser) und gelber (Erde) Fahnen wehen im Wind oder liegen in Pfuetzen. Auf jeder Fahne stehen Gebete, die durch den Wind zu Gott getragen werden sollen.
Ich muss mal kurz was loswerden. Katha, neben mir, guckt grad "Verbotene Liebe" im Internet. Seufz.
Ok, zurueck nach Tibet. Wir sehen die Fuesse der Berge um uns herum, immer wenn die Wolkendecke etwas aufbricht, machen wir Fotostopps. Und auch jetzt merken wir die Hoehe noch nicht so richtig, obwohl wir wie gesagt auf 5200m hochfahren, unser Ziel der See liegt auf 4700m. Das Wetter wird zum Glueck nicht schlechter, so dass wir ohne Probleme ueber den Pass kommen. Noch 60km ueber eine Hochebene, dann sind wir am See. Zwischen zwei kleinen Huegeln, die mit Gebetsfahnen ueberzogen sind, befinden sich ca.40 Container und Zelte, alle um einen Fussballplatz-grossen Schotterplatz herum. Als erstes Fallen die komischen Beschriftungen an den Containern auf, es gibt eine "shopping mall", knappe 3m im Quadrat gross. Ein "Clean Restaurant" mitten im Dreck. Und wer will kann "Oxygen Yoghurt" kaufen. Als naechstes irritieren die Billiardtische ueberall. Dunkle Vollholztische, deren Beine schoen geschnitzt und verziert sind. Ich ueberlege schon, wie soeiner seinen Weg nach Deutschland finden koennte... Als wir spaeter spontan helfen, einen Tisch quer ueber den Platz in sein Winterlager zu schleppen, nehmen wir wieder Abstand von der Idee. Verdammt schwer. Der See liegt platt wie eine Funder auf zwei Seiten des Dorfes, blaugruen schimmernd. Tashi erklaert, dass alle Restaurants, Geschaefte und Uebernachtungsmoeglichkeiten von Nomaden betrieben werden, die im Winter in etwas waermere Gefilde ziehen. Wir spazieren herum und ueberlegen, ob wir die Nacht hier verbringen. Trotz des Risikos, morgen evtl. nicht ueber den Pass rauszukommen, entscheiden wir uns, zu bleiben. Tashi guckt etwas verduzt, aber wir sind ja die Chefs. Er waer wohl lieber wieder in eine Stadt am anderen Ende des Passes gefahren.
Unser Hotelzimmer ist ein halber Container, ohne Fenster nach draussen,geschweige denn Dusche oder Klo. Das ist am anderen Ende des Dorfes, in gut 5 Min zu erreichen. (Die hier sehr beliebte Marke PLUMPS), Dusche gibt es unseres Wissens gar nicht. Strom gibt es zwischen 8 und 11 Uhr abends, gerade genug, um die Kamera aufzuladen.
Zum Abendbrot gibt es Tsampa, eine Mischung aus Butter, Zucker, Tee und irgendeinem Mehl, schmeckt so aehnlich wie Kuchenteig. So langsam macht sich auch ein leichter Druck auf die Hirnrinde bemerkbar. Wir sind halt doch etwas schnell hier hochgeduest... Auf dem Rueckweg vom Klo werde ich von einigen Nomaden in ihr Zelt gewinkt. Erst zoegere ich, aber wann wird man schon mal von Nomaden eingeladen?!? Ich mache es mir erst allein bequem und komme kurz danach mit Nicole und Taschi wieder dorthin. Das runde Zelt ist Schwarz und aus Yakhaar, in der Mitte ist eine Feuerstelle. Ausser den Eltern sitzen im Zelt drei rotzueberlaufene, froehliche Kinder zwischen 0 und 4 und eine Nachbarsoma samt Enkel. Als wir uns setzen kommen noch eine Menge anderer Leute und schauen neugierig durch den Zelteingang. Sofort muessen wir den beruehmten Yakbuttertee trinken, aus Freundlichkeit tun wir das natuerlich auch. Sooooo schlecht ist er gar nicht, haben wir wohl ein frisches Stueck Butter erwischt. Mit Tashis Uebersetzung koennen wir und fast unterhalten, wir trinken ein paar Tassen Tee und uebergeben unsere Geschenke. Da die offensichtlich bettelarm waren, haben wir ihnen eine Jacke und Schuhe fuer die Kinder mitgebracht. Ausserdem etwas Bares... Geheizt wird uebrigens mit getrockneter Yakscheisse. Weiss grad kein politisch korrekteres Wort dafuer. Besonders werden wir von den Kindern bewundert, der tiefe Einschnitt zwischen Stirn und Nase und die Haare an Arm und Beinen muessen bewundert und angefasst werden. Wir sind sehr gastfreundlich behandelt worden und es macht einen traurig, zu sehen, wie arm diese Leute sind. Fuer uns eine nette Erfahrung, hoffen wir, dass unsere Geschenke ihnen etwas Linderung ermoeglichen.
Obs der Yakbuttertee war oder die Hoehe... die folgende Nacht war schrecklich. Kopf und Magen spielten verrueckt und wir haben beide kein Auge zugetan.

namtso

Montag, 22. September 2008

3 x neue Bilder eingestellt...

Die letzten drei Bilderalben sind neu... Viel Spass damit!

N+J: Auf dem Dach der Welt

Immer wieder haben wir diese Woche dran rumgebastelt und mussten kurzfristige Hürden der chinesischen Behörden (und unseres Reiseveranstalters...) ueberwinden, aber es hat geklappt! Wir sind in Lhasa, der Hauptstadt Tibets! Bei Dalai Lama, Lassi und Himalaya.
Morgens ging es mit dem Flieger nach Lhasa, die bekannte Bahn haben wir uns für die Rueckfahrt aufgehoben. Nach einem voellig sinnlosen Zwischenstopp in Chongqing (es ging nur aus dem Flugzeug in einen Aufenthaltsraum, 2 min spaeter auf der anderen Seite wieder raus und wieder in den Flieger) sind wir mittags am Flughafen Lhasa angekommen. Wegen der "Spontanität" unseres Reiseveranstalters waren wir nicht im Bilde ueber unser genaues Programm und sahen erst durch das Fenster eines oeffentlichen Busses den Reiseführer mit seinem Schild "Dickebohm Deiseroth". Ups. Also schnell wieder raus. Unser tibetischer Führer heisst Tashi und spricht hinreichend englisch, um ca. 80% zu verstehen. Ausserdem begleitet uns noch ein chinesischer Fahrer, wer hier wen beaufsichtigt wird während unserer ganzen Zeit nicht so ganz klar. Aber zu den politischen Verwirrungen koennen wir ja spaeter nochmal kommen. Am Flughafen bemerken wir erstmal nur, dass die Luft dermassen klar ist, dass man kilometerweit gucken kann und der Himmel sprichwoertlich blau mit weißen fluffigen Wolken. Genau wie der Seidenschal aus PVC, den uns Tashi nach tibetischer Sitte als Willkommensgruss um den Hals legt. Dann geht es gleich in den Landrover und wir legen ab gen Lhasa, das nochmal 50 km vom Flughafen entfernt ist. Auf der Fahrt wundern wir uns ueber die warme Sonne, weil wir uns eigentlich schon auf kaeltere Temperaturen eingestellt hatten. Es sollte sich allerdings zeigen, dass es nachts dann doch deutlich kaelter wurde, bis an die 0 Grad. Zuerst ging es in ein Hotel, 3 Sterne, so edel haben wir auf der ganzen Reise noch nicht genaechtigt, Nicoles Luxus-Wohnung mal ausgenommen. Ohne Rucksack haben wir uns erstmal selbst angeguckt und auf Zeichen der Höhenkrankheit gewartet. Lhasa liegt auf 3700m und es ist nicht unwahrscheinlich Kopfschmerzen von geringen Sauerstoffgehalt in der Luft zu bekommen. Bis auf die Tatsache, dass man nach wenigen Stufen ziemlich ko ist und ab und zu mal bewusst tief Luft holen muss, weil man so ein Gefuehl hat, man haette gerade kurz das Atmen vergessen war aber erstmal nix.
Dann ging unser Programm gleich los. Ab zum Jokhang-Temple, dem heiligsten Ort der tibetischen Buddhisten. Das erste was man von diesem Tempel sieht, ist das goldene Dach. Was einen dann in seinen Bann zieht sind die Menschen, die betend um den Haeuserblock ziehen, in dem der Tempel steht. Den Tempel immer rechterhand lassend, laufend uns hunderte Menschen entgegen. Die meisten haben traditionelle tibetische Kleidung an, also schwarze Gewänder aus Yakfellen, die mit allerlei bunten Mustern aus Seide verziert sind. Ausserdem haben sie Gebetsmuehlen und eine Art
Rosenkranz in der Hand und murmeln Gebete. Wir gehen gleich in den Tempel, weil er bald zumacht. Drinnen gibt es einen Innenhof und wir koennen sowohl in den Hauptraum als auch auf das
Dach. Der Hauptsaal, in dem das fotografieren verboten ist, ist quadratisch und es gehen an allen Seiten Türen ab. Es ist ziemlich dunkel, riecht stark nach Räucherstaebchen und alle Wände sind voll mit den verschiedensten Goldenen Buddha-, Dalai Lama- und Koenigsfiguren. In der Mitte des Raumes stehen einige besonders große Figuren der wichtigsten Gottheiten. Davor sind knapp 50 Gebetsplaetze, die sich waehrend unseres Aufenthalts mit jungen Mönchen füllen. Wir sind spaet und ab 18 Uhr wird der Zugang fuer den Besuchsverkehr geschlossen, damit in Ruhe gebetet werden kann. Aber schon waehrend wir drin sind, fangen die Gebete an und in allen Ecken wird gemurmelt. Tashi erzaehlt uns eine Menge zu den ganzen Figuren, aber wir verstehen nur die Haelfte, akustisch und auch inhaltlich. Für mich ist auffaellig, wie die Reisefuehrer ueberall rumschreien, obwohl doch gebetet wird. Offensichtlich kein Problem hier. Es gibt verschiedene Stroemungen innerhalb der buddhistischen Kirche, klassifiziert nach der Farbe der Hüte. Am meisten ist von den Yellowhats die Rede, zu denen auch der Dalai Lama gehoert. Es gibt auch rote und schwarze Hüte...Der gegenwaertige DL ist die 14 Reinkarnation und er musste mit knapp 25 Lhasa verlassen, weil die Chinesen kamen. Vorher war das hier ein voellig freies Land.
Danach gehen wir noch auf das Dach des Tempels. Fast alle Daecher im alten Teil Lhasas sind gleich hoch und man sieht die umliegenden Berge und den Potala-Palast von hier. Waehrend wir oben sind, bricht sogar die Sonne einige Male durch die Wolken und wir saugen die klare Luft in uns hinein, während wir die Sicht geniessen und Fotos machen. Ein total unwirklicher Eindruck.
Als wir wieder aus dem Tempel herausgehen, schicken wir Tashi und den Fahrer nach Hause. Wir wollen ein wenig auf eigene Faust herumlaufen und zum Hotel finden wir schon. So gehen wir erstmal mit den Pilgern um den Palast. Die tibetische Altstadt hat lauter kleine Gassen und die Masse schiebt sich an einigen Stellen um die Ecken, dass man kaum stehenbleiben kann. Der gesamte Weg ist auf beiden Seiten mit Geschaeften in den Haeusern und kleinen Staenden davor zugebaut, die allerhand Tand verkaufen. Gebehtsmuehlen, Messer, Butterlampen, Schmuck, T-Shirts, Seidenteppiche, Stoffe, Yakbutter, usw - alles was das Pilgerherz begehrt. Wir schlendern einfach mit und soviel wie wir die Tibeter begaffen, so gaffen sie zurueck. Das dreimalige Laufen um den Jokhang-Temple muss ein Pilger einmal im Leben machen und viele kommen offesichtlich aus der tibetischen Pampa (die um ein vielfaches Groesser als Europa ist). Weisse wie uns haben sie noch selten gesehen, so Grosse wie Nicole (1,9m) sicher noch nie. Schnell haben wir einen kleinen Fanclub hinter uns. Alle laecheln, gruessen (tashi dele heisst guten tag) und wir gruessen nett zurueck. Die meisten bewundern unsere koerpergroesse und einige machen erstaunt oh! oder ah! wenn sie uns ploetzlich sehen oder stellen sich neben Nicole und merken mit Freude, dass sie ihr nur bis zum Ellenbogen gehen. Wir sind hier richtige Stars. :-) In der Gruppe sind einige, die nicht einfach nur um den Palast gehen, sondern sich alle 2m auf den Boden schmeissen. Die "messen den Pilgerweg mit ihrer Koerpergroesse" steht in meinem Buch. Sogar ein kleines Kind ist dabei. Mit Holzplatten an den Haenden rutscht es immer und immer wieder auf die Knie und dann mit der Stirn auf den Fussboden, dass es schon einen staubigen Punkt auf der Stirn hat. Diese Superglaeubigen verdienen ihr Leben nur mit Geld, das ihnen die Pilger zustecken. Der Pilger tut dabei etwas Gutes und es wird wahrscheinlicher, dass er hoeher wiedergeboren wird. So profitieren alle.
Wir merken schon jetzt, dass Lhasa ganz anders ist als alles, was wir bisher hier in China gesehen haben. Ruhiger, wuerdevoller und freundlicher. Nach unserem ganz persoenlichen Pilgergang (sicher ist sicher...) setzen wir uns auf eine Dachterasse, essen, und schauen zu, wie die Sonne untergeht. Die Speisekarte hält Dinge wie Yakjoguhrt, Lassi und eine Art Yakgulasch fuer uns bereit. Als wir im Dunkeln in Richtung Potala und Hotel nach Hause gehen, laufen immernoch einige Glaeubige um den Tempel.
Als wir unterhalb des Potala in einen Park gehen, schallt uns Walzermusik entgegen. Unpassend, irgendwie. Der Park oeffnet sich zu einem grossen Platz in dessen Mitte einige grosse
fontaenen spielen. Abgestimmt auf die Musik tanzt das Wasser ueber den Platz und es macht trotz der deplazierten Toene Spass, zuzuhoeren und zu schauen. Wir haben sogar ein Video gemacht, aber das ist wohl zu gross um es hochzuladen. Oberhalb des Platzes thront der Palast, und wir schiessen noch ein paar Fotos ehe es anfaengt zu regnen und wir einen armen Riksha-Fahrer mit unserem Gewicht belasten...

Lhasa

Lars + Katha: Die Woche getrennt rund um Zhengshou (oder so) Tag I + II....

Heute stecken Joern und ich noch fuer mehrere Stunden in Xian fest. Lars und Nicole sind gestern abend gen Peking abgeflogen, ein idealer Zeitpunkt also um von letzter Woche zu berichten.
Lars und meine Woche begann Sonntag mit einer Traumhaften Nachtfahrt im Ersteklasseabteil richtung Zhengshou. Ein Name, der unmoeglich so auszusprechen ist, dass ein Chinese nicht behauptet dass es diesen Ort nicht gibt!
Leider ist es dort auch garnicht schoen, deswegen ging es gleich weiter Richtung Kaifeng. Einer kleinen Stadt eine halbe Stunde mit dem Superluxuszug entfernt. Dort verbrachten wir den ersten teil des Tages erstmal mit Schlafen. Dann gab es eine Tempelbesichtigung und eine Tour mit der Rikscha rund um die Stadt. Alles nicht so spannend-bis es dunkel wurde. Dann breitete sich naemlich der spektakulaerste Nachtmarkt ueberhaupt direkt gegenueber unseres Hotels auf den Strassen aus! Tausende kleiner Fressstaende mit undefinierbarem und viel zu gut erkennbarem und interessante Suessspeisen. Alle staende hatte stuehle und tische dabei und die halbe stadt ass hier zu abend. Echt toll!
So toll sollte der naechste tag leider nicht weitergehen. Wir hatten morgens leider etwas getroedelt und das SEHR gewoehnungsbeduerftige Fruehstueck im Hotel zu lange genossen, so dass wir den Zug zurueck nach Zhengshou verpasst hatten. Das bedeutete 2 1/2 Stunden in der Bahnhofshalle warten! Warten in einer deutschen bahnhofshalle ist ja schon semilecker, aber in China... Zum Glueck stand an den Waenden, dass man nicht auf den Boden spucken darf, deswegen passierte das nur bedingt. Aber trotzdem traut man sich kaum den Rucksack abzustellen, weil hier alle ihren Muell, Sonnenblumenkernreste und eben Spucke einfach dort hinterlassen, wo sie stehen.... Der Zug war noch besser. Wir hatten leider keine Platzkarten, deswegen waren fuer uns nur die Plaetze uebrig, die direkt an die Waschraeume angrenzen. Hier wird dann gerotzt, geraucht und eben Muell hinterlassen. Das war toll. Noch dazu hat mich lars 5 mal im MauMau geschlagen.
Der Spass sollte in Zhengshou weitergehen. Ich hatte naemlich auf der Fahrt meine Fahrkarte verbaselt. Hier in China wird die Fahrtkarte VOR dem Einsteigen in den Zug 3x kontrolliert und einmal NACH dem Aussteigen. Warum? Keine Ahnung. Auf jeden Fall bin ich ein bischen angeschrien worden und musste schliesslich nachloesen. Die damen von der Bahn haben hier eine sehr aetzende und keifende schreistimme! Fand ich nicht gut und der chinesische Tag fuer mich war damit vollends gelaufen! Noch dazu diese ganzen aetzenden Trillerpfeifen, die versuchen die Leute unter Kontrolle zu bringen...nicht mein Ding!
Dann ging es weiter mit dem Bus. Wir wollten nach Dengfeng, dem Ort, der am naechsten an den Shaolinschulen und dem Shaolintempel liegt. Die Fahrt war ok, beim Aussteigen wurden wir allerdings derartig von Taxifahrern belagert, die wollten, dass wir bei Ihnen einsteigen oder in dem Hotel ihres Kumpels schlafen, dass wir auch schon ein wenig boese werden mussten! Danach haette ich gut nen Schnaps vertragen koennen! Unser Hotel, das an Position eins der Budgetunterkuenfte im LonelyPlanet steht, war dann ganz in Ordnung. 15 euro das Doppelzimmer kann man machen. Der Abend auf dem Nachtmarkt war anders als in Kaifeng, aber doch sehr nett. Die Leute waren ganz suess und waehrend wir unsere scharfen Nudeln assen wurden wir fuenfmal von einem kleinen Jungen besucht, der es so lustig fand uns 'Hallo' zuzurufen!

Sonntag, 21. September 2008

letzter Tag Beijing

Wenn man so viel unterwegs ist, dann kommt man mit dem Schreiben gar nicht nach... Weil uns schon die ein oder andere Nachfrage erreichte: Wir haben vom Milchskandal gehoert und halten uns etwas zurueck. Schwierig, weil ich eigentlich begonnen hatte, mich durch das chinesische Eis-am-Stiel-Angebot durchzulutschen. Aber Wassereis tuts ja auch.
Der letzte Tag in Beijing war wieder etwas abgebrochen, weil Nicole und Lars den Grossteil durch die Stadt geradelt sind, um Bahntickets zu kaufen. Die kann man immer nur an dem Bahnhof erstehen, von dem man faehrt, wenn man Glueck hat auch in einem kleinen Reisebuero. Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Abenteuer, bei dem von vornherein unklar ist, ob man am chinesichen Bahnsystem, an der hohen Nachfrage oder an der Sprache scheitert. Im Ergebnis dauert das Bahnticket kaufen halt immer eine Weile, so auch an diesem Tag. Katha und ich sind derweil in das Kuenstlerviertel 798 in Peking gefahren und unsere Erfahrungen waren eher gemischt. Ich nenne es mal organisierte Subkultur, breite Fussgaengerstrassen mit hunderten Rausgeputzten Galerien, aber irgendwie tot. Keine efeubewachsenen Ecken mit schummerigen Cafes, keine Haendler, keine kleinen Preise. Im Gegensatz zu dem Kunstviertel in Shanghai sozialistisch kuehl und leblos. Wir sind denn auch nur eine Stunde durchgelaufen und habens sein lassen. Um den anderen ein paar Kilometer zu ersparen sind wir ihnen mit dem Taxi entgegengefahren und haben noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Beijing gemacht. Durch kleine Gassen, vorbei an einem See, um den tausende Tourikneipen sind und wieder in die geliebten Hutongs in der Naehe von Glocken- und Trommelturm, da wo waehrend Olympia ein Ami ermordert wurde.
Spaetestens waehrend des Spaziergangs standen wir dann etwas unter Zeitdruck, weil wir uns naemlich heute trennen sollten. Katha und Lars sind noch am selben Tag mit dem Nachtzug nach Zhengzhou weiter, Nicoles und mein Flug nach Tibet ging am naechsten Morgen. Unter Zeitdruck haben wir uns irgendein Lokal fuer das Abendessen ausgesucht, und das hatte es mal wieder in sich. Obwohl nach vorne nur 3 Schaufenster breit, tat sich in dem Restaurant eine Esshalle nach der anderen auf und wir wurden gleich an einen Platz geleitet. Der Tisch gab einen Hinweis darauf, was uns in kulinarischer Hinsicht diesmal geboten werden sollte: Er hatte ein grosses Loch in der Mitte mit einer Gasflamme. Das Gericht nennt sich Hotpot (Feuertopf), auf die Gasflamme in der Mitte kommt ein grosser Pott Sosse und man bestellt sich allerlei Gemuese und Gefleisch, dass man dann darin aehnlich einem Fondue zubereitet. Unter tatkraeftiger Anleitung der Bedienung (die kannte wohl die Probleme der Langnasen) haben wir das Gelage dann durchgefuehrt. Zum Glueck konnte man zwei Grund-Suppen zum Erhitzen auswaehlen, so dass wir eine scharfe (darum Feuertopf) und eine nicht so scharfe gewaehlt haben. Was die Beilagen betrifft, die man dann darin warmmacht, war das Angebot zwar umfangreich, aber gut die Haelfte fiel allein aufgrund des Namens schon mal aus. (Jemand Hunger auf "Pig's Brain" oder "Chicken Hearts"?) Unsere Hauptsaechliche Wahl bestand also aus 8 verschiedenen Gemuesesorten und zwei Sorten "Schinken", die Katha auf den Nachbartischen identifiziert hatte. Das Mahl selbst war ueppig und es war fuer fast jeden was dabei. Sogar die Schaerfe war so, dass wir nicht vom Stuhl gekippt sind. Nur Lars hats nicht ganz so geschmeckt. Mag auch daran liegen, dass man das ganze Zeug einfach in die Bruehe reinschmeisst und dann danach sucht (=mit den Staebchen fischt) Dabei findet man dann auch ein paar Dinge, die man eigentlich nicht bestellt hatte, die aber wohl zur Grundbruehe dazugehoerten. Z.B. den ein oder anderen Huenherfuss. Als ich letzteren Essen wollte, hat die hilfsbereite Bedienung Einspruch erhoben, so dass ich noch immer nicht zum Zug gekommen bin.
Leider mussten Lars und Katha dann ziemlich schnell weg, um noch zu packen und ihren Zug zu erwischen, waehrend Nicole und ich noch die letzten Spinatblaetter aus der Bruehe angelten. Kaum waren die beiden mit dem Taxi weg, viel uns auf, dass Lars einen der Fahrradschluessel mitgenommen hatten, wir als gestrandet waren. Nach dem Essen kam dann also wieder so eine fuer diese Reise typische Improvisier-Aktion. Auf dem Weg zu den Raedern haben wir uns in einem Fahrradladen mit eine Eisensaege geliehen (Kommunikation im wesentlichen durch Gesten, weiss auch nicht, was die sich gedacht haben), die wir gleich anlegten, waehrend ein Gewitter aufzog. Als das Ding zu einem Viertel durch war, brach das Segeblatt. Taschentuch drum und mit dem rohen Blatt in der Hand weitergesaegt, waehrend es anfing, wie aus Eimern zu giessen. Zum Glueck hat uns dabei ein netter Nachbar zugeschaut, der dann mit Regencapes und Seitenschneider zuhilfe eilte. Der Seitenschneider war zwar stumpf wie ein Speisemesser, aber nach ein wenig haengen und wuergen ging das Schloss dann doch auf. Dann noch mit betretenem Gesicht die Saege zurueckgebracht und etwas Geld fuer ein neues Saegeblatt dagelassen. Bis dahin hatte der Regen dann auch wieder aufgehoert und wir konnten in Ruhe nach Hause radlen. Nur dass wir da dann natuerlich nicht mehr wie geplant auf Katha und Lars trafen, die waren schon ueber alle Berge. Aber der Fahrradschluessel, der lag auf dem Kuechentisch...

Dienstag, 16. September 2008

Auf der Mauer, auf der Lauer...

Der zugegeben etwas kurze Besuch in Chengde sollte nicht zuungunsten des Mauerbesuchs verlaengert werden. Also haben wir uns am naechsten Morgen ein Busticket erstanden und sind spontan an irgendeiner Landstrasse im Nichts aus dem Bus geschmissen worden. Irgendwo hier muss doch die Mauer sein. Ein bisschen Gefeilsche mit einem Taxifahrer spaeter (Sonst laufen wir!- Too far, Too far) waren wir dann wirklich in Simatai, einem vergleichsweise wenig ueberlaufenem Mauerabschnitt zwischen Chengde und Peking. Um unsere Herkunft zu verschleiern und gegen die Sonne haben wir uns vier chinesische Strohhuete geleistet und sind mit Sack und Pack losgestapft. Wir beiden Jungs hatten die schweren Rucksaecke, Nicole einen kleieneren Rucksack und Katha -stilvoll- eine Plastiktuete mit Fressalien, Ziel war das Mauerstueck Jinshanling, ca. 4 Stunden in Nordoestlicher Richtung. Schon nach wenigen Hoehenmetern verlockte uns ein quer ueber einen See zurueck ins Tal gespanntes Seil, doch noch mal von Vorne anzufangen. Am Seil waren freihaengende Sitze eingeklinkt und man konnte eine ziemlich lange Strecke einfach durch die Luft ins Tal zurueckrutschen. Angesichts der Strecke, die noch vor uns lag, widerstanden wir.
Die Mauer selbst ist ca. 5 Meter breit und wird alle 300m von einem Wachturm unterbrochen. Grosse Teile sind gut erhalten oder restauriert, so dass man wie auf einem Steinernen Wanderweg unterwegs ist. Allerdings sind einige Passagen sehr steil, sowohl aufwaerts als auch abwaerts und von DIN Normen fuer das Stufenmass war 200 v. Chr. in China auch noch nicht viel bekannt: Jede Stufenhoehe zwischen 5 cm und 40 cm ist vorhanden. Dafuer wird man von faszinierenden Blicken in einer tollen Landschaft entschaedigt. Da die Mauer ja der Verteidigung galt ist sie stets auf den hohen Bergkaemmen gebaut worden und bei guter Witterung (die wir hatten) kann man die Schlange aus Wachtuermen in beide Richtungen einige 10 km weit sehen. Zwischen unseren Start und Zielabschnitten gab es auch einige ziemlich zerbroeckelte Abschnitte, an denen die Restaurierung bisher vorbei gegangen ist. Ich bin ja mal gespannt, wie lange die chinesische Regierung hier noch unbedarfte Touris alles platttrampeln laesst. Ich denke, wir alle vier haben uns sehr gut gemacht und waren froh, dass die Sonne nicht die ganze Zeit voll auf unsere Koepfe schien, sondern sich immer mal eine Wolke dazwischenschob. Kurze Lunchpausen mit chinesischen und amerikanischen Keksen fuehrten leider immer dazu, dass man sofort von bettelnden Verkaeufern (oder andersherum) umgeben war, die man unmoeglich alle zufriedenstellen kann. Die Erpressen ganz unverholen "1 yuan, i go home". Trotzdem hatten wir auch immer wieder Zeiten, in denen wir mehr oder weniger alleine herumkraxelten und kurze, unbeobachtete Shaolin-Kampfszenen nachstellen konnten. :-) Gutgelaunt, durchgeschwitzt und mit ordentlich Pudding in den Beinen sind wir nach ca. 4-5 h dann auch am Ziel angekommen. Sturzlos, was insbesondere bei Nicoles Treppen-Absteige-Phobie bemerkenswert ist. Die Uebernachtung in einem Wachturm war widererwarten verboten und angesichts fehlender Infrastruktur (insbesondere Dusche) auch wenig lukrativ, so dass wir uns spontan entschieden, die restlichen 120 km doch mit dem Taxi nach Peking zurueckzulegen. Die (von unserer Seite mit der altbewaehrten good guy (Joern), bad girl (Nicole)-Strategie angegangene) Preisverhandlung fuehrte zu einem Betrag von 40 Euro fuer die ganze Strecke. Noch kurz unterbrochen von einem Komplettausfall der Lichtanlage (kann man ja direkt an die Batterie ueberbruecken, lieber Herr Taxifahrer) kamen wir groggy und gluecklich wieder in Nicole's "Park Avenue" an. Um die Koernerfresser unter uns Gluecklich zu machen sind wir dann noch in ein von einem Moench gefuehrtes vegetarisches Restaurant gegangen. Bei weitem das teuerste Abendessen, dass wir bisher genossen haben, gleichzeitig aber auch vorzueglich. Bei Eintreten wird man angehalten, die Haende mit Lotosparfum einzureiben und raeuspert sich ein Gast zu laut, wird sofort von einem mittleren Erstickunsanfall ausgegangen und man bekommt ungefragt einen Kelch Wasser dargereicht. Die Menues heissen Steak oder Chicken mit irgendwas, sind aber gaenzlich ohne Fleisch zubereitet. Wir hatten wiedermal einige neue Gerichte, die uns vom Hocker gehauen haben. Ueberhaupt, seit wir in Peking sind, haben wir jeden Abend ein neues Restaurant zum Essen gefunden, dass Neues und Vorzuegliches fuer uns bereithielt. Bei Gelegenheit mache ich dazu mal einen Extra-Eintrag.

Mauer

Deutsche Puenktlichkeit in China

Aus dem gestrigen Tag haben wir natuerlich gelernt, heute sollte es frueh losgehen. Die erstandenen Tickets Peking-Chengde (eine Sommerresidenz der spaeten Kaiser) wiesen 6.30 Uhr aus. (Ok, der wahre Grund war, es gab keine Anderen) Um 6.15 im Bahnhof, 10 min bei McD zum fruehstuecken, waren wir puenktlich um 6.28 am "Gate" (Vom Gate aus wird man zum Gleis vorgelassen, ist hier etwas anders als bei uns.) Nur hatten wir nicht mit der Puenktlichkeit der Chinesen gerechnet, die uns kurzerhand erklaerten, der Zug sei schon weg. Weder hartnaeckiges Nachfragen noch panisches Hin- und Herrennen halfen. Dumm gelaufen, Zug verpasst. Aber, wir haben doch einen Lonely Planet. Wo faehrt der Touristenbus ab? Rucksaecke auf, Ubahn-Tickets gekauft, hin da. Nochmal Dumm gelaufen, der Lonely Planet liegt falsch, wenn er meint, dass die Touristenbusse auch Freitags fuehren. Sie fahren nur Sa und So. Weiter gehts, wo fahert der Linienbus? Ah, ganz im Osten (gar nicht so weit weg von Nicoles Wohnung, in der Wir vor ca. 3h gestartet waren...) Aller Guten Dinge sind drei, dieser Versuch hat geklappt. Puenktlich um 2 oder so waren wir in Chengde, wurden gleich von einer Horde Hotelverkauefer uebers Ohr gehauen, aber wir hatten ein halbwegs nettes Hotel zu einem halbwegs vertretbaren Preis. Super Zimmer, das Klo war nur durch eine Milchglaswand vom Bett getrennt. Sehr kommunikativ.
Da ein Grossteil unseres Chengde-Tages schon vorueber war (morgen sollte es zur Mauer gehen) sind wir gleich in die ueberteuerte Palastanlage. Bemerkenswert waren der Raum in dem einer der Kaiser die Knebelvertraege mit den Europaeren (Stichwort Opiumkriege) unterzeichnet hat und "the former address of the Emperor's toilet". Dafuer hat der dahinterliegende Park mit vielen kleinen Seen, Pavillons und der ein oder anderen ruhigen Ecke doch fuer den permanenten chinesischen Geraueschpegel entschaedigt. Und Super-Wetter hatten wir auch wieder. Uebrigens war das auch in Peking ganz gut. An den ersten Tagen noch etwas versmogt waren die folgenden Tage von strahlendem Sonnenschein gepraegt. Untypisch. Da hat die Zwangsschliessung von Fabriken im Umkreis von Peking wohl doch funktioniert.
Auf dem Rueckweg zum Hotel haben wir die Chinesen bei einer ihnen sehr lieben Beschaeftigung beobachten koennen, dem Abendtanz in irgendeinem Park. Man sieht sie oefter in 2-er Paerchen oder in Formation zu chinesischem Singsang oder oesterreichischem Walzer dahinwiegen, immer in Gruppen von bis zu 50 Leuten. Da kommt man immer gleich ins Gespraech, und wenn unsereiner da mitmachen wuerde, waeren wir schnell DAS Gespraechsthema im Ort. Zum Glueck kann man das Auf-die-Fuesse-treten so anschaulich auch ohne chinesisch-Kenntnisse demonstrieren. Ausserdem gabs auf Weg noch einen auf einem Fahrrad montierten Kirmes-Schiessstand zu sehen, das wird dann mit den bald folgenden Bildern nachvollziehbar.

Chengde

ein lauer Tag zwischendurch...

Bei soviel Programm merken wir, dass wir immer spaeter aufstehen. So auch heute, ich glaub es war deutlich nach 2 Uhr eh wir unseren Hintern aus der Wohnungstuer bewegt haben. Und wer sich so gehen laesst, der bekommt natuerlich die Quittung, das geplante Programm muss ordentlich zusammengestaucht werden. Erstes Ziel fuer heute war der Seidenmarkt in Peking. Neben Seide gibt es dort auch allen moeglichen Tand zu erstehen, von Schmuck ueber Lebensmittel bis zu Klamotten, Taschen, etc. Das uebliche chinesische Durcheinander halt. Wichtigste Regel: Feilschen, Feilschen, Feilschen. Ohne wirkliches Interesse zu haben habe ich mir eine (angebliche...) Gore Tex-Jacke angeschaut. Eroeffnungspreis war 1200 yuan (durch 10 und ihr habt den euro-preis), als ich ging, war sie noch bei 180 yuan.
jak. neben mir sitzen zwei hm.. naja. 8 jaehrige, rauchen mich an und gucken auf meinen bildschirm. ihr stinkt!
Wir haben hier und da ein wenig einkauft, diesel-jeans fuer 10 euro, quicksilver-t-shirts fuer 5 euro und skijacken fuer 20-30 euro. :-)
Das danach geplante Kuenstlerviertel 798 ist dem Spaetaufstehen geopfert worden und Katha+Lars sind gen Pekingoper getingelt waehrend Nicole und ich Bahntickets fuer morgen gekauft haben und ein wenig entspannen wollten. Dummerweise kam da ein Platter dazwischen, aber auch den haben wir trotz limitierter Chinesischkenntnisse gemeistert. Ach und gleichzeitig rief dann unser netter Tibet-Organisator an, der mich schon einige Male sinnlos zum Ostbahnhof geschickt hatte, um Tickets fuer die Bahn nach Lhasa zu bekommen. Wegen Kurzfristigkeit planen wir nun einen Hinflug und dann die Bahnfahrt nach Xian, zur Terracotta-Armee. Katha und Lars tingeln per Bahn Richtung Xian und nehmen auf dem weg u.A. Shaolin-Kloster mit. Naja, der Gute hatte eine neue Aufgabe fuer uns. Nicole brauchte eine Bestaetigung des Arbeitgebers, dass sie auch wirklich hier arbeitet, Visum genuegt nicht. Und das Ganze bitte innherhalb der naechsten 30 Minuten, abends um halb Sieben. Schon mal geguckt, wie voll die VW-Parkplaetze um halb sieben so sind, Peter?!? Nach anfaenglichem Widerstreben erklaerte er sich bereit, ihre Arbeitserlaubnis zu akzeptieren (Da steht Arbeitgeber "Hotel Beidu Peking" drin, aber wir sind hier ja in China...) Also abfotografiert, einen kleine Drucker-Klitsche aufgetan und ihm zugemailt. Diese ganzen Feuerwehraktionen fuehrten dann leider dazu, das das nix mehr mit Ausruhen fuer uns war. Und das Gespann Katha/Lars hatte nicht mehr Glueck, die Pekingoper fand aus unerfindlichen Gruenden nicht statt. Also sind wir nochmal nett Essen gegangen und haben den Abend zuhause bei Nicole ausklingen lassen. Muss ja auch mal sein, so ein Tag ohne viel gesehen zu haben.

Fotos gibts, wenn ich wieder einen vernuenftiges Internetcafe finde...

Samstag, 13. September 2008

Verbotene Stadt und Pekingente

Sich Sonntags an den vergangenen Mittwoch zu erinnern, wenn man jeden Tag etwas anderes neues sieht, ist garnicht so leicht. Am Mittwoch früh sind wir jedoch ganz sicher bei strahlendem Sonnenschein zur Verbotenen Stadt gefahren.
Natürlich waren wir nicht alleine, denn ungefähr fünfhunderttausend andereTouris (sowohl Chinesen als auch "Westler") hatten die gleiche Idee.
Leider waren wir nur zu dritt, da Jörn sich auf den Weg von Bahnhof zu Bahnhof machen musste um (unerfolgreich) die Tickets nach Tibet auf den Weg zu bringen...
Über die verbotene Stadt lässt sich eigentlich nicht viel sagen, muss man sich ansehen. Viele alte kaiserliche Gebäude, die scih aber alle ähnlich sehen. Je weiter man in die Stadt hineingeht,umsoschlechter sind die Gebäude restauriert. Das hat aber auch den Vorteil, dass nicht alles mit den Bonbonfarben angemalt ist, die offensichtilich kurz vor Olympia nocheinmal komplett über die Stadt gegossen worden sind. Hierkonnte man das sog. alte China viel besser ahnen.
Die Chinesen interessierte am meisten das kaiserliche Schlafzimmer, gerade vor dessen schaufenster wurde geschoben und geschubst, als gäbs nichts wichigeres im Leben.
Nach unserer Wanderung versuchten wir noch einen schönen westlichen Kaffee zu erstehen, aber der Starbucks auf dem Gelände der verbotenen Stadt war kurz zuvor für immer geschlossen worden...
Anschliessendging es nocheinmal indie Hutongs, diesmal wieder mit Jörn. Der musste allerdings kurz darauf schon wieder zum nächsten Bahnhof um seine Fahrkartenglück noch einmal zu versuchen. Wir drei anderen machten uns schonmal auf den Weg zum Pekingenteessen mit einer chinesischen Freundin von Nicole und einer weiteren Freundin aus Deutschland, die auch bei VW arbeitet.
Ping hatte dieses offensichtlich sehr noble Restaurant ausgesucht und übernahm auch die verschiedenen Bestellungen, die diesmal auf einer runden, sich drehbaren Glasplatte aufgestellt wurden, damit jeder gut an alle Speisen kam. ImGroben gab es wieder das, was wir die vegangenen Tage auch schon gegessen hatten, ganz amSchluss kam jedoch die Ente, die in unserem Raum von einem Koch tranchiert wurde. In genau 108 Teile, denn das ist eine chinesische Glückszahl. Danach musste man die kleinen Entenstücke in etwa Handtellergrosse Pfannkuchen legen und mit Soße, Frühlingszwiebel, Knoblauch oder Rettich zu einem Wrap falten. Als die Kellnerin uns zeigte wiedas zu bearbeiten ist, sah die ganze Geschichte natürlich wesentlich kunstvoller aus, asl das, was wir da später zurechtknüddelten, aber es war lecker.
Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir dann auch endlich Jörn wiedertrafen, der uns zwar schon im Restaurant gesucht hatte, aber nicht in die Privaträume vorglassen worden war. Unsere Sorge, dass er vielleicht doch im wilden Strassenverkehr Pekings von einer Mopedrikscha angefahren worden war, war also unbegründet und wir konnten in Ruhe ins Bett gehen...

Paralympic Beijing

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes musste Nicole leider nochmal arbeiten (der Vorstand rief...) aber das dreiköpfige Rumpfteam hat sich spontan dazu entschieden, doch einen olympischen Tag einzulegen. Zurzeit finden hier noch die Paralympics statt und die Tickets sind erstaunlich billig und leicht zu bekommen. Also haben wir uns Karten für die Leichtatlethik-Session am Mittag im "Vogelnest" gesichert. Das Vogelnest ist das Stadion, dass wir alle aus der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele kannten. Hin gings mit dem Rad, ca. 1h an einer Hauptverkehrsstrasse entlang. Parallel zu allen großen Strassen laufen in Peking breite asphaltierte Strassen, die sich Taxifahrer, Busse und 2- bzw. 3-rädrige Gefährte teilen, so dass man ganz gut vorankommt. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an die Verkehrsregeln gewöhnt, die sich vielleicht unter "Geht nicht gibts nicht" zusammenfassen lassen. Auf den ersten Blick ein grosses Chaos, auf den zweiten Blick kann man aber als Radfaher manchmal schneller voran kommen, weil Rote Ampeln nicht so richtig für einen selbst gelten. Nur fuer die anderen. Alternativ kommt man auch mit dem Taxi ganz gut vorwärts, für ca. 5 Euro kommt man quer durch die Stadt, wir fahren selten für mehr als 3 Euro. Durch vier geteilt sind das studentenfreundliche Preise wuerd ich mal sagen.
Der Besuch im "Olympic Green" war einmalig. Obwohl wir etwas Probleme mit dem Finden eines Parkplatzes für unsere Räder hatten (Hallo? Sind wir hier in China?!?) sind wir durch die obligatorischen Scanner-Dinger reingekommen und gleich in das bekannte Stadion. In den folgenden 3 Stunden haben wir dann Kugelstoßen, 100m Läufe und 100m Rollstuhlfahren gesehen, jeweils unterbrochen von verschiedenen Medallienzeremonien. Das Stadion sieht phantastisch aus, wirkt aber im TV größer als in der Realität (Hallo? Wir sind hier in China!). Es war kaum halb besetzt, was wohl auch die billigen (5 Euro) Karten erklärte. Wir haben zwischendurch die Plätze gewechselt und hunderte Fotos vom Stadion mit dem olympischen Feuer und den Athleten gemacht.
Schon mal 100m-Blinden-Sprint gesehen? Jeder Blinde bekommt dabei einen Guide an die Seite, mit dem er über ein Bändchen an einem Handgelenk verbunden ist. Derjenige darf immer nur genauso schnell laufen wie der Athlet, hält letzteren aber auf der Bahn und zeigt ihm so den Weg. Super anzusehen. Das wird nur übertroffen von Blinden-Fußball, den wir hinterher noch kurz im TV gesehen haben.
Wann immer ein Chinesischer Sportler dran war, stieg der Geräuschpegel stark an und die chinesischen Sportler haben auch überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Teilweise so überlegen, dass wir schon überlegt haben, ob da die olympischen Regeln nicht ganz so ernt genommen wurden... Ein paar Deutsche waren auch dabei, eine Goldmedallie sogar, so dass wir den umsitzenden Chinesen unsere Sangeskünste vorstellen konnten. Die revanchierten sich wiedermal mit der einen oder anderen Fotoanfrage.
Als die Session vorbei waren sind wir noch ein paar Stunden über das Olympic Green geschlendert. Das ist ein riesiger Park, in dem das Stadion und die blasige Schwimmhalle stehen. Ausserdem noch Wasserspiele, pseudo-historische Häuser und Tore, Pavillons der Hauptsponsoren (ja, auch den meines Arbeitgebers haben wir besucht) und der größten McDonalds, den ich je gesehen habe mit ca. 20 Kassen nebeneinander (und auch hier waren wir...). Unser Plan, noch Karten für eine Schwimmveranstaltung zu ergattern, scheiterte daran, dass diese nur über den Schwarzmarkt zu beziehen waren, und dann zu einem Eröffnungsangebot von ca. 20 Euro. Wir sind schon zu sehr an chinesische Preise gewöhnt, als das wir das ausgegeben hätten. Zuletzt sind wir noch einer chinesischen Obsession aufgesessen. Offensichtlich um die chinesischen Menschenmassen zu steuern, wird hier immer sehr genau festgelegt, wo man irgendwo rein darf, wo man langzugehen hat und wo man wieder raus darf. So ist auch im Olympic Green ein Eingang nicht gleichzusetzen mit einem Ausgang, beides kann sogar ziemlich weit voneinander entfernt sein. Wir sind noch fast 1 Stunde kreuz und quer gelaufen um vom Gelände wieder runterzukommen. Das muss hier alles seine Richtigkeit haben, bitteschoen.
Mit dem Rad gings wieder zurück und nach ein wenig Warten haben wir Nicole wieder in ihrer Lobby in Empfang genommen. Abermals haben wir den Abend mit einem prächtigen Essen in einem von Nicole vorgeschlagenen Restaurant beschlossen. Bis auf die Eimer, die in der Mitte des Raumes standen um den von der Decke tropfenden Regen aufzufangen, war alles upper-class und wir haben uns wie immer eine wahre Essensschlacht geleistet. Highlight war, das wir es sogar geschafft haben, noch Nachtisch zu bestellen, der nicht auf der Karte war. Zwar hat unsere Gestik erstmal dazu geführt, dass wir eine Megaschuessel voller Eis (also gefrorenes Wasser) bekamen, aber der zweite Anlauf hat dann gelappt und wir haben so eine Art frittierten Vanillepudding mit Honigsoss bekommen. Absolut köstlich!

SuzhouundTaian

Wiedersehen mit Nicole, Lars und Peking.

Arg übernächtigt sind wir am frühen Montag morgen in Peking angekommen. Nicole wohnt sehr luxuriös in einer bewachten Siedlung und soviel Sauberkeit und Räume mit Parkett haben uns Rucksackreisende erstmal Ehrfurcht eingefloesst, aber eine schoene Dusche in einem sauberen Bad haben wir mehr als genossen. Um ihre Leute nach China zu locken, lassen die Unternehmen offensichtlich ganz schoen was springen... Ich glaube, Nicole musste sich auch erstmal daran gewohnen, dass wir aus ihrem "anderen Leben" in Deutschland hier so reinplatzen, aber sie hat sich riesig gefreut und ist uns eine tolle Gastgeberin geworden. Trotzdem, nach kurzer Geburtstagszeremonie (habe 2 Buecher bekommen :-) ) ging es gleich ins Bett. Für Katha nur ein paar Stunden, weil sie um 11 ihren Schatz am Flughafen abgeholt hat. Der hat ihr wohl so den Kopf verdreht, dass sie gleich mal ihre Kamera im Taxi verloren hat. Zum Glueck war das ein ehrlicher Taxifahrer und mit Hilfe der Quittung und einer chinesisch-sprechenden Freundin von Nicole haben wir sie tatsaechlich wiederbekommen. Fuer Langnasen wie uns ist dies echt ein sicheres Land. Nicht so fuer die Chinesen selbst, in den letzten Tagen haben ich 2 sehr rohe Festnahmen und einen Unfall gesehen... Einmal eine Frau mit Kind auf dem Platz des himmlischen Friedens, die von mehreren Männern zusammengeschriegen wurde als wäre sie der Teufel persönlich. Hier wird sehr stark mit zweierlei Maß gemessen, Ausländer und Chinesen werden an allen Ecken und Enden unterschiedlich behandelt. Meistens die Ausländer besser, z.B. wurden wir schon an Schlangen in Busstationen vorbeigeschleust oder von Bahnbeamten besonders bevorzugt behandelt. Manchmal ziehen wir aber auch den kürzeren, z.B. bekommen wir im Restaurant eine Karte, die dreimal so teuer ist wie die Chinesische oder der Taxifahrer fährt große Kreise durch die Stadt...
Beijing ist nun also der Startschuss für unsere 4-köpfige Reisegruppe. Lars und Nicole haben 2 Wochen gemeinsam mit uns, dann muss Nicole wieder in Beijing arbeiten und Lars fliegt zurück nach Berlin. Unser erster gemeinsamer Tag war etwas von Müdigkeit geprägt. Wir haben Fahrräder gemietet und sind erstmal in die südliche Innenstadt, einem Hutong (=so eine Art "ärmeres" Viertel mit lauter kleinen Gassen) in dem ich bei meinem ersten China-Aufenthalt ziemlich viel rumgehangen habe. Hier gibt es uendlich viele Gassen, alle voll mit kleinen Läden, Restaurants, Telefon- und Internetbuden und jeder versucht, einem etwas zu verkaufen. Diese Orte haben ein ganz anderes -für mich viel angenehmeres- Flair als hypermoderne Hochhäuser, Touristenüberlaufende Mauerabschnitte oder hochgesicherte Regierungsplätze wie der Platz des himmlischen Friedens. (Wenn man den Platz betritt muss man durch eine Metall-Schleuse wie am Flughafen...) Das Hutong ist noch etwa zur Hälfte so wie ich es in Erinnerung hatte. Die andere Hälfte wurde offensichtlich vollkommen abgerissen und für Olympia in "original-chinesichen Stil" wiedererrichtet. Eine vormals 4-spurige Strasse ist nun eine Fußgänger-Flaniermeile, die von vielen prunkvollen und schnoerkelig-verzierten Reihenhäusern gesäumt ist. Das sieht ganz nett aus, allerdings ist es erstens nicht echt (2005 sah es ganz anders aus - dreckig aber authentisch) und zweitens wohl nicht rechtzeitig für Olympia fertig geworden. 1 km prunkvolle Schaufenster -alle leer! Das ganze wirkt fast wie eine Geisterstadt, aber die Touris sind dennoch da und schauen sich die leeren Schaufenster an. Wenn man aber in eine Seitengasse abbiegt, dann ist es wieder da, die alte Kulisse aus Lautsprechern und chinesischen Kehlen, die bettelarmen flegenden Haendler mit kleinen roten Mao-Buechern und nicht zu vergessen die Gerüche von Tofu, Mondkuchen, frischen Gebäck und mehr oder weniger öffentlichen Toiletten. Vielleicht merkt mans ja, irgendwie mag ich das alte Gerummel lieber als das Neue, Sterile, Geplante.
Wir sind eine Weile durch die Gassen geschlendert und haben auch wieder hier und da was nettes zu essen gefunden. Geschlossen haben wir diesen ersten Tag mit einem Essen in einem chinesische Restaurant ganz in der Nähe von Nicoles Wohnung. Zum Glück mit Bildchen auf dem Menü, durch die wir uns in chinesischer Manier durchgegessen haben. Wir haben ca. 2-3 Gerichte mehr geordert als wir Personen waren, alles wird auf den Tisch gestellt und man bedient sich direkt mit Staebchen. Sehr viel kommunikativer als bei uns und wir überlegen schon, ob wir nicht mal Verkehrsregeln fürs Stäbchenessen vom gemeinsamen Teller aufstellen. Nötig wäre das manchmal. :-)

Mittwoch, 10. September 2008

Heilige Huegel und Belastende Busfahrten

Jetzt haben wir schon eine ganze Weile nichts mehr von uns hoeren lassen... Nutzen wir die Tatsache, dass ich die Anderen gerade in Beijing verloren habe doch fuer was Produktives, einen kleinen Reisebericht. Die muessten eigentlich gerade irgendwo Pekingente schmausen, im verabredeten Restaurant waren sie auf jeden Fall nicht. :-(

Nunjut, nehmen wir den Faden in TaiShan auf. Am Sonntag war der Aufstieg auf den 15xx m hohen heiligen Berg geplant, eigentlich auch mal wieder mit Fruehaufstehen. Aber das haben wir wieder nicht so richtig hinbekommen. Trotzdem, frueh genug um alles zu sehen. Wann immer wir uns den Wecker stellen, wirds so ca. ne Stunde spaeter. :-) Ich glaub, diesen Zustand nennt man "Urlaub", liebe Daheimgebliebene. Ich schweife ab. Um den buddhistischen Gottheiten nicht vollstaendig fertig und verschwitzt gegenueber zu treten, sind wir die halbe Hoehe mit dem Bus gefahren und nur die zweite Haelfte gelaufen. Wer den Berg kennt, weiss, dass es da Quadrillionen von Stufen gibt, noch dazu in verschiedensten Stufenhoehen. Dies und die Sonne die zu der (gefuehleten) fruehen Stunde stark schien fuehrten dazu dass wir nach 2 (?) Stunden doch nicht ganz frisch in die Tempel einzogen. Aber das Bergsteiger-Feeling, das war da. Auf der Spitze gibt es einige Tempelanlagen, Glockentuerme, Kloester und jede Menge chinesisches Touri-Zeugs. Wir haben mal von in jede Richtung geschaut, ein kleines Konzert in einem Tempel gehoert und jede Menge Fotos gemacht. Weil wir mit Tai Shan zum ersten Mal etwas von den Grossstaedten weg sind, wurden wir auf nicht zu selten mehr oder weniger verstohlen zum Objekt fotografischer Begierde. Besonders die Blonde Katha zieht hier (ich moechte sagen noch mehr als ohnehin schon) Blicke auf sich. Lenkt auf jeden Fall ein wenig von meiner von einer Wolfsburger Friseurin verschandelten Frisur ab und Katha gewoehnt sich langsam dran. Warum schwafel ich heute eigentlich so viel? Also, Tai Shan. Nach ein 2 oder 3 Stunden rumlaufen haben wir dann die Rueckreise an den Busbahnhof angetreten, pilgermaessig stil-gerecht mit einer Gondel-Bahn, die die ermatteten aber erleuchteten Seelen von der Bergspitze abtransportiert. Auf der naechtlichen Busfahrt von Taishan nach Beijing haben wir dann noch gelernt, dass ein chinesisches Sprichwort besagt, dass nur ein Mann sei, der einmal auf dem Taishan gewesen ist. Ihr duerft uns also gratulieren.

Vor der Busfahrt hatte ich ja etwas Angst, weil ich bei sowas nie schlafen kann. Aber es gab schon bei unserer Ankunft keine Bahntickets mehr und in freudiger Erwartung auf Kathas bessere Haelfte Lars und auf Nicole (Beide wurden wir in Beijing am Montag treffen)mussten wir irgendwie in dieser Nacht nach Beijing kommen. Um sieben gings los, bis ca. halb vier nachts waren wir unterwegs und es gab so wenig Schlaf wie vorher schon vermutet, auch weil auf der ersten Haelfte der Fahrt sinusfoermig zwischen 15 und 35 Grad schwankte (T=10Min) und auf der zweiten Haelfte auf 35 Grad verharrte. Ueber die ersten Stunden hat dabei noch das voellig diffuse chinesische Fernsehprogramm hinweggetroestet. Bei diesen Filmen ist die Handlung entweder exzessiv sinnlos oder voellig unverstaendlich. Und das liegt nicht nur daran, dass man nix versteht und der englische Untertitel ueber 10 Sitzreihen auch nicht wirklich mehr erkennbar ist. Weitere Unterhaltung brachten kurze Gespraeche mit den umliegenden Sitznachbarn, bei denen ich mir mein regelmaessiges Lob zu meinen Chinesisch-Kenntnissen abhole. Mittlerweile gelegentlich auch auf Englisch, weil die Guten wohl merken, dass ichs auf Chinesisch nicht immer verstehe. Naja, nett sind sie ja, die Chinesen. Unterbrochen wurde die Fahrt von regelmaessigen Polizeikontrollen, an die ich mich aus meinem letzten China-Urlaub nicht erinnern kann. Vielleicht liegts ja an Olympia und an der Tatsache, dass wir in die Hauptstadt fuhren. Fakt ist allerdings, dass die Kontrollen ebenso haeufig wie sinnlos sind. Beim Scannen meines Rucksacks mit einem Metalldetektor brachte der nur zwei kurze Pieps hervor. Festplatte, Netzgeraete und Minilaptop sind ihm wohl entgangen, diesem Spielzeuggeraet. Und zu allem Ueberfluss haben wir dann im Bus noch in meinen Geburtstag reingedoest. Spektakulaer. Nach 20 Min warten vor dem Busbahnhof haben wir uns dann einem Taxifahrer anvertraut, dem wir erstmal zeigen mussten wo Nicoles Adresse denn ist, weil er vorher der Meinung war, diese Strasse existiere nicht. Gut, dass wir vorher noch mal google-earth befragt hatten. Ein netter Portier (Nicole hat auch noch eine Putzfrau und eine Uebersetzerin fuer die Putzfrau...) durften wir dann in ihr leicht zerknautschtes Gesicht schauen: Wir sind angekommen im nacholympischen Beijing!

PS: Bilder gibst, wenn ich die anderen wiedergefunden habe.

PPS:Voila. Die Anderen waren im verabredeten Restaurant, aber in einem private Room, in den man mich nicht gelassen hat. :-( Nix Pekingente für Jörn.

SuzhouundTaian

Samstag, 6. September 2008

...neue Bilder

So, jetzt stehen auch ein paar neue Bilder zu den letzten beiden Posts drin. Gruß aus dem morgendlichen Chinesen-Chaos in Taian, Jörn+Katha

Suzhou im Regen, Ankunft in Tai'an

so, jetzt gebe ich auch mal was zum besten. Hinter uns liegen 2 mehr oder weniger bewegte Tage. Als wir gestern gegen 11 zum 2. Mal aufwachten (denn unser Freundlicher Dorm-Mitbewohner aus den Staaten hatte das um halb acht schon zum ersten Mal unsanft erledigt!), goss es in Stroemen. Das sollte sich dann auch die Haelfte des Tages nicht mehr aendern.
Nachdem wir uns irgendwann aus unseren warmen Brettern (als Betten war das nicht zu bezeichnen!) bewegt hatten machten wir uns auf um unsere Nachtzutickets nach Peking zu buchen. wir mussten einige Sprachschwierigkeiten ueberwinden und mehrmals wiederkommen, um festzustellen, dass unsere Wunschreisesaten einfach schon verbucht waren und es keine Tickets mehr gab. Also mussten wir unsere geplante Reise ein wenig umstellen um tatsaechlich am Montag puenktlich zu Joerns Geburtstach und Lars Ankunft auch in Peking zu sein. Gut, dann eben 2 Tickets nach Shanghai fuer den naechsten morgen gebucht und von dort weitere Tickets nach Tai'an um wenigstens schon die Haelfte der Strecke nach Peking erledigt zu haben... Mnesch sind wir flexibel!
Danach sollte es mit der Fahrrad-Rikscha ins (laut lonely-planet) MUST-HAVE-SEEN Seidenmuseum gehen.
Auf dem Weg dahin kamen wir allerdings an einem der Gaerten vorbei, fuer die Suzhou angeblich so bekannt ist und legten dort unsere letzten 140 Yuan = 14 Euro zusammen und knickten uns kurzerhand das Museum. Keiner der nachfolgenden Schnorrer, Fuehrer, Postkarten- uns-anderen-Schnick-schnack-verkaeufer wollte uns glauben, dass wir als Westler keinen einzigen Yuan mehr fuer ihre dienste uebrig hatten!
Der Garten war toll, wegen des Regens, der im Laufe des Spazierganges aufhoerte, war er wahrscheinlich auch nicht ganz so ueberlaufen. Viele kleine Wege, grosse Steine und Tempel und vor allem viel Wasser in dem unzaehlige Lotusblaetter und vereinzelt auch Blueten wuchsen.
Die Oberflaeche dieser blaetter war mir ein grosses Vergnuegen!
Anschliessend machten wir uns auf den langen weg durch die innenstadt auf den Weg zurueck und nach nur einem mal Verlaufen kamen wir sicher im Hostel wieder an.
Dort trafen wir Mick und Dale, zwei Amis, Sohn und Vater, 32 und 51 Jahre. Wir schnackten ungefaehr 2 Stuendchen mit den beiden, sehr spannend, denn mick hatte schon ein paar jahre zuvor in China gelebt. Kein Wunder, dass Joern beim folgenden, gemeinsamen Abendessen auch endlich auf seine Kosten, was die perversen Essgewohnheiten hier angeht, kam, denn die drei bestellten sich Kroete, die 10 Minuten zuvor noch riesengross und schleimig in einem Terrarium gesessen hatte! Genau mein Ding! Sie drei waren allerdings ganz gluecklich und ich mit meiner vegetarischen Bestellung, die Dank Micks Chinesischkuensten wunderbar funktionierte, auch.


Heute morgen war die Nacht dann leider frueh zuende, weil unser freundlicher Mibewohner meinte uns durch mehrere Fuerze aus den Traeumen holen zu muessen. Ein toller Mann!
Wir mussten eh frueh raus um unseren Zug nach Shanghai zu bekommen, das klappte alles wunderbar! Der taxifahrer in Suzhou fuhr zwar erstmal am Bahnhof vorbei, aber das nahmen wir mal ganz entspannt.
In Shanghai ging es wieder in einen dieser zuege, die noch einen Zacken moderner sind als die neuesesten ICEs und auch so ihre 250 kmh machen und damit sind wir dann ganz froh hier in Tai'an angekommen.
Schlafen werden wir heute nacht fuer 20 Tacken in einem stinkigen Hoteldoppelzimmer, in dem die Betten aber - wie ueberall hier- pickobello sind. Aber keine Dusche ohne Badelatschen!!!
Morgen geht es dann auf DEN heiligen chinesischen Berg Taishan. Und abends weiter mit dem Bus gen Peking, denn Zugtickets waren auch hier nicht zu bekommen.
So, jetzt mag ich nicht mehr.

SuzhouundTaian

Donnerstag, 4. September 2008

Keine Fotos von Gassen mehr... in Shangahi

So, 2 Tage sind rum, da ists wieder Zeit für ein kurzes Update aus dem Land der Paralympics. Es fällt übrigens auf, wie schnell die Chinesen umgestellt haben. In SH und HK stehen schon fast mehr Paralympics-Schilder als Olympia-Werbetafeln. Najut, die sind aber nicht das einzige, was wir gesehen haben... Gestern stand die "French Koncession§ auf dem selbstgebastelten Programm. Das ist ein Teil von SH, der angeblich durch seine Allen und prunkvolle Architektur ganz besonders zum Verweilen einlädt. Laut Lonely Planet zumindest. Die vom Wuppertaler Arzt empfohlene Ecke xin*irgendwas* entpuppte sich allerdings als Yuppie-Schicki-Micki-Restaurantmeile mit Paulaner-Biergarten. Nicht grad das, was wir suchten. Zu Fuß ging es dann zu einem Kunst Zentrum, dass schon wesentlich netter war. Viele kleine Gassen mit einer Mischung aus Porzellanläden, Cafes, Galerien und Chinesischen Kartenspielern. Trotz zunehmend wunder Fuesse und schwerer Beine konnten wir uns da eine ganze Weile nicht loseisen. Fast hätten wir den "bottomless ice tea (for one week)" genommen, aber so lang wollten wir dann doch nicht bleiben. Trotzdem war der Tag irgendwie schon vorbei, als wir da ankamen. Wir kommen noch immer nicht so richtig aus dem Bett morgens, vielleicht hatte das auch damit zu tun. :-) Auf jeden Fall gings für den AbeAnd zum Jinmao Tower, den üblichen Cocktail in der Bar im 86. Stockwerk zu uns nehmen..
Als wir wir wieder im Hostel waren, hatten wir auch Zuwachs im Zimmer bekommen. Katha hat sich sofort mit 2 Australiern angefreundet, die ihre 24h in Shanghai planten. Wir haben sie gleich mal in das Kuenstlerviertel genoetigt. Außerdem war da noch Rudy, ein Chinese, der gleich das erste Opfer meiner Chinesisch-(Nicht-)Kentnisse wurde. Er hat mir mehrmals versichert, mein Chinesisch w
re perfekt. Ich glaub ich schreib mich bei der VHS wieder aus. Oder hab ich ihn nur nicht richtig verstanden?

Der heutige Tag war etwas, sagen wir mal transportlastig. Wir wollten nach Qibao, ein Teil von Shanghai, der noch einigermassen traditionell aussieht. Dem Lonely Planet folgend sind wir unter Umsteigen zu einem Stadion im Südwesten der Stadt gefahren, dann einmal rumgelaufen, zu einem Busbahnhof, dann mit dem Bus weiter.. Hat bestimmt so 1 bis 1,5h gedauert, nur um bei der Ankunft zu sehen, dass da auch eine U-Bahn-Station war... Nicht ganz so up-to-date unser treuer Begleiter. Qibao selbst war durchwachsen. Es gab die üblichen Aufgespießten Wachteln und noch einiges anderes obskures Zeug. Leider war ich nicht hungrig, obwohl ich mir ja vorgenommen habe, diesmal einiges davon zu Essen... Für die richtig harten Sachen hoffe ich da im Übrigen noch auf Nicoles kulinarischen Tatendrang, Katha ist als Teilzeit-Vegetarierin da etwas vorsichtiger. Nicole und Kathas Freund Lars treffen wir am Montag in Peking. Zurück nach Qibao. Das war mal ganz nett zum Drübergehen und wir haben die Gelegenheit zu einer kleinen Bootsfahrt genutzt, aber der Bringer wars nicht und angesichts der unnötig langen Anreise haette man die Zeit auch (wie im anschluss eigentlich geplant) in irgendeinem Museum verbringen koennen. Aber wie es das Schicksal so wollte war es dann ploetzlich auch schon wieder zu spaet fuer irgendwas anderes und wir haben uns noch kurz die Fuesse fuer ein Bahnticket platt gelaufen (Antwort: Gabs nur bis 17.30, morgen wieder) und sind dann in den Bus nach Suzhou, ca. 2h westlich von SH. Hier im Umkreis werden wir die nächsten 2 Tage verbringen, um dann am WE Richtung Peking weiterzujetten. Wie wir uns mit dem ersten Taxifarer gezofft haben gibts dann im nächsten Eintrag. Grüße aus einem Schaufenster in Suzhou (=Jugendherberge)!

So, diese dünne Leitung nervt. Hab eigentlich noch ein paar mehr Bilder, aber die versuche ich, morgen hochzuladen. Jetzt erstmal ab ins Bett. Gute N8.

ShanghaiII

Dienstag, 2. September 2008

Die Queen und wir.

Hey, schreibe jetzt schon aus Shanghai. HK war uns einfach zu warm. Man hechelt nur von Klimaanlage zu Klimaanlage und ist schon fast froh, wenn mal irgendein Luxus-Hotel mit seiner Riesentuer den Gehweg kostenlos mitkuehlt. An die Energieverschwendung mag man gar nicht denken. Insgesamt waren wir knappe 30 Stunden in HK, von denen wir wohl mehr als die Haelfte verpennt haben. :-) Spontan haben wir uns dann nach einen Zug nach Shanghai erkundigt, der nur alle 2 Tage faehrt. Zufaellig auch gestern, so dass wir etwas ueberstuerzt abgereist sind. Aber wir kommen ja wieder, und zwar hoffentlich dann, wenn es etwas kaelter ist.

Ueber Nacht ging es nach Shanghai. Der Zug war nicht voll und wir hatten 6 Betten fuer uns allein. Luxus pur. Ging alles wie am Schnuerchen, fuer meine Verhaeltnisse zu sehr wie am Schnuerchen. So richtig Kontakt konnten wir zu unseren Mitreisenden noch nicht aufnehmen. In SH angekommen gings erstmal durch die Grenzformailtaeten, und weder der Lonely Planet noch das Buch Sieben Tage in Tibet wurden entdeckt. Tschagga. Insbesondere Letzteres macht mir grad total Bock auf Tibet, mal sehen, wie wir sich da unsere weiteren Reiseplaene entwickeln. Ausgeschlafen und Gespannt haben wir dann unseren ersten Tag im wirklichen China verbracht. Worauf ich ja schon seit geraumer Zeit gewartet habe, das sind die ganzen kleinen Fressbuden hier. Da ging dann auch gleich unser erster Ausflug hin und wir haben uns ein wenig durch die engen Gassen gefuttert. Katha noch etwas zaghaft, um sich nicht den Magen zu verstimmen. Aber auch sie hat was gefunden, was schmeckte. Danach noch mit so einer kleinen Bimmelbahn durch die Fussgaengerzohne hier (Nanjing Lu) und dann in die Altstadt eine kleine Teezeremonie mitgemacht. Das war zuerst etwas steif, aber als unsere Bedienung, die offensichtlich grad angelernt wurde, den Tee ausversehen umstiess war auch das zunehmend spassig. Neben uns machte noch ein Arzt aus Wuppertal eine kleine Zeremonie mit und wir belustigten uns darueber, dass die Teezeremonienmeisterinnen jeden Schluck (!) den wir aus den Tassen nahmen sofort erstetzten. Die
Grossmeisterin informierte uns dann auch darueber, dass in diesen heiligen Hallen auch die Queen schon ihren gruenen Tee geschluerft habe. Cheers! Nach einer kleinen Shopping-Tour in irgendeinem Ramsch-Markt (Jippieh ich hab endlich FlipFlops. Nur mit Wanderstiefeln war es etwas heiss) sind wir nun wieder im Captain Hostel. Na, klingelts bei dem ein oder anderen, der schon mal mit mir in SH war? Kurze Verschnaufpause und dann gehts heut abend weiter. Mal sehen wohin.

Fazit bis hierher: In SH kann man wenigestens vor die Tuer gehen, auch wenn es schweisstreibend ist. Und Bahnfahren in China ist gar nicht so schlimm wie Katha es befuerchtet hatte.

HK


Shanghai