Morgens ging es mit dem Flieger nach Lhasa, die bekannte Bahn haben wir uns für die Rueckfahrt aufgehoben. Nach einem voellig sinnlosen Zwischenstopp in Chongqing (es ging nur aus dem Flugzeug in einen Aufenthaltsraum, 2 min spaeter auf der anderen Seite wieder raus und wieder in den Flieger) sind wir mittags am Flughafen Lhasa angekommen. Wegen der "Spontanität" unseres Reiseveranstalters waren wir nicht im Bilde ueber unser genaues Programm und sahen erst durch das Fenster eines oeffentlichen Busses den Reiseführer mit seinem Schild "Dickebohm Deiseroth". Ups. Also schnell wieder raus. Unser tibetischer Führer heisst Tashi und spricht hinreichend englisch, um ca. 80% zu verstehen. Ausserdem begleitet uns noch ein chinesischer Fahrer, wer hier wen beaufsichtigt wird während unserer ganzen Zeit nicht so ganz klar. Aber zu den politischen Verwirrungen koennen wir ja spaeter nochmal kommen. Am Flughafen bemerken wir erstmal nur, dass die Luft dermassen klar ist, dass man kilometerweit gucken kann und der Himmel sprichwoertlich blau mit weißen fluffigen Wolken. Genau wie der Seidenschal aus PVC, den uns Tashi nach tibetischer Sitte als Willkommensgruss um den Hals legt. Dann geht es gleich in den Landrover und wir legen ab gen Lhasa, das nochmal 50 km vom Flughafen entfernt ist. Auf der Fahrt wundern wir uns ueber die warme Sonne, weil wir uns eigentlich schon auf kaeltere Temperaturen eingestellt hatten. Es sollte sich allerdings zeigen, dass es nachts dann doch deutlich kaelter wurde, bis an die 0 Grad. Zuerst ging es in ein Hotel, 3 Sterne, so edel haben wir auf der ganzen Reise noch nicht genaechtigt, Nicoles Luxus-Wohnung mal ausgenommen. Ohne Rucksack haben wir uns erstmal selbst angeguckt und auf Zeichen der Höhenkrankheit gewartet. Lhasa liegt auf 3700m und es ist nicht unwahrscheinlich Kopfschmerzen von geringen Sauerstoffgehalt in der Luft zu bekommen. Bis auf die Tatsache, dass man nach wenigen Stufen ziemlich ko ist und ab und zu mal bewusst tief Luft holen muss, weil man so ein Gefuehl hat, man haette gerade kurz das Atmen vergessen war aber erstmal nix.
Dann ging unser Programm gleich los. Ab zum Jokhang-Temple, dem heiligsten Ort der tibetischen Buddhisten. Das erste was man von diesem Tempel sieht, ist das goldene Dach. Was einen dann in seinen Bann zieht sind die Menschen, die betend um den Haeuserblock ziehen, in dem der Tempel steht. Den Tempel immer rechterhand lassend, laufend uns hunderte Menschen entgegen. Die meisten haben traditionelle tibetische Kleidung an, also schwarze Gewänder aus Yakfellen, die mit allerlei bunten Mustern aus Seide verziert sind. Ausserdem haben sie Gebetsmuehlen und eine Art
Rosenkranz in der Hand und murmeln Gebete. Wir gehen gleich in den Tempel, weil er bald zumacht. Drinnen gibt es einen Innenhof und wir koennen sowohl in den Hauptraum als auch auf das
Dach. Der Hauptsaal, in dem das fotografieren verboten ist, ist quadratisch und es gehen an allen Seiten Türen ab. Es ist ziemlich dunkel, riecht stark nach Räucherstaebchen und alle Wände sind voll mit den verschiedensten Goldenen Buddha-, Dalai Lama- und Koenigsfiguren. In der Mitte des Raumes stehen einige besonders große Figuren der wichtigsten Gottheiten. Davor sind knapp 50 Gebetsplaetze, die sich waehrend unseres Aufenthalts mit jungen Mönchen füllen. Wir sind spaet und ab 18 Uhr wird der Zugang fuer den Besuchsverkehr geschlossen, damit in Ruhe gebetet werden kann. Aber schon waehrend wir drin sind, fangen die Gebete an und in allen Ecken wird gemurmelt. Tashi erzaehlt uns eine Menge zu den ganzen Figuren, aber wir verstehen nur die Haelfte, akustisch und auch inhaltlich. Für mich ist auffaellig, wie die Reisefuehrer ueberall rumschreien, obwohl doch gebetet wird. Offensichtlich kein Problem hier. Es gibt verschiedene Stroemungen innerhalb der buddhistischen Kirche, klassifiziert nach der Farbe der Hüte. Am meisten ist von den Yellowhats die Rede, zu denen auch der Dalai Lama gehoert. Es gibt auch rote und schwarze Hüte...Der gegenwaertige DL ist die 14 Reinkarnation und er musste mit knapp 25 Lhasa verlassen, weil die Chinesen kamen. Vorher war das hier ein voellig freies Land.
Danach gehen wir noch auf das Dach des Tempels. Fast alle Daecher im alten Teil Lhasas sind gleich hoch und man sieht die umliegenden Berge und den Potala-Palast von hier. Waehrend wir oben sind, bricht sogar die Sonne einige Male durch die Wolken und wir saugen die klare Luft in uns hinein, während wir die Sicht geniessen und Fotos machen. Ein total unwirklicher Eindruck.
Als wir wieder aus dem Tempel herausgehen, schicken wir Tashi und den Fahrer nach Hause. Wir wollen ein wenig auf eigene Faust herumlaufen und zum Hotel finden wir schon. So gehen wir erstmal mit den Pilgern um den Palast. Die tibetische Altstadt hat lauter kleine Gassen und die Masse schiebt sich an einigen Stellen um die Ecken, dass man kaum stehenbleiben kann. Der gesamte Weg ist auf beiden Seiten mit Geschaeften in den Haeusern und kleinen Staenden davor zugebaut, die allerhand Tand verkaufen. Gebehtsmuehlen, Messer, Butterlampen, Schmuck, T-Shirts, Seidenteppiche, Stoffe, Yakbutter, usw - alles was das Pilgerherz begehrt. Wir schlendern einfach mit und soviel wie wir die Tibeter begaffen, so gaffen sie zurueck. Das dreimalige Laufen um den Jokhang-Temple muss ein Pilger einmal im Leben machen und viele kommen offesichtlich aus der tibetischen Pampa (die um ein vielfaches Groesser als Europa ist). Weisse wie uns haben sie noch selten gesehen, so Grosse wie Nicole (1,9m) sicher noch nie. Schnell haben wir einen kleinen Fanclub hinter uns. Alle laecheln, gruessen (tashi dele heisst guten tag) und wir gruessen nett zurueck. Die meisten bewundern unsere koerpergroesse und einige machen erstaunt oh! oder ah! wenn sie uns ploetzlich sehen oder stellen sich neben Nicole und merken mit Freude, dass sie ihr nur bis zum Ellenbogen gehen. Wir sind hier richtige Stars. :-) In der Gruppe sind einige, die nicht einfach nur um den Palast gehen, sondern sich alle 2m auf den Boden schmeissen. Die "messen den Pilgerweg mit ihrer Koerpergroesse" steht in meinem Buch. Sogar ein kleines Kind ist dabei. Mit Holzplatten an den Haenden rutscht es immer und immer wieder auf die Knie und dann mit der Stirn auf den Fussboden, dass es schon einen staubigen Punkt auf der Stirn hat. Diese Superglaeubigen verdienen ihr Leben nur mit Geld, das ihnen die Pilger zustecken. Der Pilger tut dabei etwas Gutes und es wird wahrscheinlicher, dass er hoeher wiedergeboren wird. So profitieren alle.
Wir merken schon jetzt, dass Lhasa ganz anders ist als alles, was wir bisher hier in China gesehen haben. Ruhiger, wuerdevoller und freundlicher. Nach unserem ganz persoenlichen Pilgergang (sicher ist sicher...) setzen wir uns auf eine Dachterasse, essen, und schauen zu, wie die Sonne untergeht. Die Speisekarte hält Dinge wie Yakjoguhrt, Lassi und eine Art Yakgulasch fuer uns bereit. Als wir im Dunkeln in Richtung Potala und Hotel nach Hause gehen, laufen immernoch einige Glaeubige um den Tempel.
Als wir unterhalb des Potala in einen Park gehen, schallt uns Walzermusik entgegen. Unpassend, irgendwie. Der Park oeffnet sich zu einem grossen Platz in dessen Mitte einige grosse
fontaenen spielen. Abgestimmt auf die Musik tanzt das Wasser ueber den Platz und es macht trotz der deplazierten Toene Spass, zuzuhoeren und zu schauen. Wir haben sogar ein Video gemacht, aber das ist wohl zu gross um es hochzuladen. Oberhalb des Platzes thront der Palast, und wir schiessen noch ein paar Fotos ehe es anfaengt zu regnen und wir einen armen Riksha-Fahrer mit unserem Gewicht belasten...
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| Lhasa |

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