Sonntag, 21. September 2008

letzter Tag Beijing

Wenn man so viel unterwegs ist, dann kommt man mit dem Schreiben gar nicht nach... Weil uns schon die ein oder andere Nachfrage erreichte: Wir haben vom Milchskandal gehoert und halten uns etwas zurueck. Schwierig, weil ich eigentlich begonnen hatte, mich durch das chinesische Eis-am-Stiel-Angebot durchzulutschen. Aber Wassereis tuts ja auch.
Der letzte Tag in Beijing war wieder etwas abgebrochen, weil Nicole und Lars den Grossteil durch die Stadt geradelt sind, um Bahntickets zu kaufen. Die kann man immer nur an dem Bahnhof erstehen, von dem man faehrt, wenn man Glueck hat auch in einem kleinen Reisebuero. Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Abenteuer, bei dem von vornherein unklar ist, ob man am chinesichen Bahnsystem, an der hohen Nachfrage oder an der Sprache scheitert. Im Ergebnis dauert das Bahnticket kaufen halt immer eine Weile, so auch an diesem Tag. Katha und ich sind derweil in das Kuenstlerviertel 798 in Peking gefahren und unsere Erfahrungen waren eher gemischt. Ich nenne es mal organisierte Subkultur, breite Fussgaengerstrassen mit hunderten Rausgeputzten Galerien, aber irgendwie tot. Keine efeubewachsenen Ecken mit schummerigen Cafes, keine Haendler, keine kleinen Preise. Im Gegensatz zu dem Kunstviertel in Shanghai sozialistisch kuehl und leblos. Wir sind denn auch nur eine Stunde durchgelaufen und habens sein lassen. Um den anderen ein paar Kilometer zu ersparen sind wir ihnen mit dem Taxi entgegengefahren und haben noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Beijing gemacht. Durch kleine Gassen, vorbei an einem See, um den tausende Tourikneipen sind und wieder in die geliebten Hutongs in der Naehe von Glocken- und Trommelturm, da wo waehrend Olympia ein Ami ermordert wurde.
Spaetestens waehrend des Spaziergangs standen wir dann etwas unter Zeitdruck, weil wir uns naemlich heute trennen sollten. Katha und Lars sind noch am selben Tag mit dem Nachtzug nach Zhengzhou weiter, Nicoles und mein Flug nach Tibet ging am naechsten Morgen. Unter Zeitdruck haben wir uns irgendein Lokal fuer das Abendessen ausgesucht, und das hatte es mal wieder in sich. Obwohl nach vorne nur 3 Schaufenster breit, tat sich in dem Restaurant eine Esshalle nach der anderen auf und wir wurden gleich an einen Platz geleitet. Der Tisch gab einen Hinweis darauf, was uns in kulinarischer Hinsicht diesmal geboten werden sollte: Er hatte ein grosses Loch in der Mitte mit einer Gasflamme. Das Gericht nennt sich Hotpot (Feuertopf), auf die Gasflamme in der Mitte kommt ein grosser Pott Sosse und man bestellt sich allerlei Gemuese und Gefleisch, dass man dann darin aehnlich einem Fondue zubereitet. Unter tatkraeftiger Anleitung der Bedienung (die kannte wohl die Probleme der Langnasen) haben wir das Gelage dann durchgefuehrt. Zum Glueck konnte man zwei Grund-Suppen zum Erhitzen auswaehlen, so dass wir eine scharfe (darum Feuertopf) und eine nicht so scharfe gewaehlt haben. Was die Beilagen betrifft, die man dann darin warmmacht, war das Angebot zwar umfangreich, aber gut die Haelfte fiel allein aufgrund des Namens schon mal aus. (Jemand Hunger auf "Pig's Brain" oder "Chicken Hearts"?) Unsere Hauptsaechliche Wahl bestand also aus 8 verschiedenen Gemuesesorten und zwei Sorten "Schinken", die Katha auf den Nachbartischen identifiziert hatte. Das Mahl selbst war ueppig und es war fuer fast jeden was dabei. Sogar die Schaerfe war so, dass wir nicht vom Stuhl gekippt sind. Nur Lars hats nicht ganz so geschmeckt. Mag auch daran liegen, dass man das ganze Zeug einfach in die Bruehe reinschmeisst und dann danach sucht (=mit den Staebchen fischt) Dabei findet man dann auch ein paar Dinge, die man eigentlich nicht bestellt hatte, die aber wohl zur Grundbruehe dazugehoerten. Z.B. den ein oder anderen Huenherfuss. Als ich letzteren Essen wollte, hat die hilfsbereite Bedienung Einspruch erhoben, so dass ich noch immer nicht zum Zug gekommen bin.
Leider mussten Lars und Katha dann ziemlich schnell weg, um noch zu packen und ihren Zug zu erwischen, waehrend Nicole und ich noch die letzten Spinatblaetter aus der Bruehe angelten. Kaum waren die beiden mit dem Taxi weg, viel uns auf, dass Lars einen der Fahrradschluessel mitgenommen hatten, wir als gestrandet waren. Nach dem Essen kam dann also wieder so eine fuer diese Reise typische Improvisier-Aktion. Auf dem Weg zu den Raedern haben wir uns in einem Fahrradladen mit eine Eisensaege geliehen (Kommunikation im wesentlichen durch Gesten, weiss auch nicht, was die sich gedacht haben), die wir gleich anlegten, waehrend ein Gewitter aufzog. Als das Ding zu einem Viertel durch war, brach das Segeblatt. Taschentuch drum und mit dem rohen Blatt in der Hand weitergesaegt, waehrend es anfing, wie aus Eimern zu giessen. Zum Glueck hat uns dabei ein netter Nachbar zugeschaut, der dann mit Regencapes und Seitenschneider zuhilfe eilte. Der Seitenschneider war zwar stumpf wie ein Speisemesser, aber nach ein wenig haengen und wuergen ging das Schloss dann doch auf. Dann noch mit betretenem Gesicht die Saege zurueckgebracht und etwas Geld fuer ein neues Saegeblatt dagelassen. Bis dahin hatte der Regen dann auch wieder aufgehoert und wir konnten in Ruhe nach Hause radlen. Nur dass wir da dann natuerlich nicht mehr wie geplant auf Katha und Lars trafen, die waren schon ueber alle Berge. Aber der Fahrradschluessel, der lag auf dem Kuechentisch...

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